Oberschwaben-Welt

Kultur Leben Ausflüge

März 19, 2016
von upperswabia
Keine Kommentare

Ein verlorenes Handy und das Finder-Selfie

Lukas hat sein Handy Samstagnacht verloren. Gemerkt hat er es erst am Sonntagmorgen. Da es ein Android Handy ist, konnte er mit Hilfe seines Googlekontos die Fotos einsehen. Der Finder hat Selfies gemacht. Mit Hilfe des Android Gerätemanager hat Lukas dann das Handy gesperrt und mit einer Nachricht um Rückruf gebeten, doch es kam kein Rückruf. Das Handy musste aufgeladen worden sein, weil das Selfie zu einer Zeit fotografiert wurde, zu der der Akku normalerweise leer gewesen wäre. Daraus schloss er, dass es jemand gefunden und aufgeladen hat.

Dienstagmorgen ging Lukas aufs Fundbüro, in der Hoffnung, dass es derjenige dort abgegeben hat. Das hat er nicht. Kein Rückruf. Er ging zur Polizei um nachzufragen, ob er das Handy als verloren bzw. gestohlen melden kann. Und ob er das Selfie auf Facebook posten darf, um nach der Identität des Finders zu fragen. Lukas hinterließ seine persönliche Daten und die Gerätenummer des Handys.

Die Polizei wird deshalb keine Fahndung ausrufen, doch bei Kontrollen wird hin und wieder auch nach dem Handy gefragt und die Gerätenummer kontrolliert. Sonst kann die Polizei nicht weiter helfen. Der Polizeibeamte wußte nicht genau, ob es rechtlich möglich ist, ein Bild von dem möglichen Finder zu posten, doch so wie Lukas es formulierte war es ok.

Lukas postete es am Dienstagabend. Einen Tag später war es 99 Mal geteilt. Auf einer Facebookseite mit fast 5000 Fans wurde der Handy-Finden-Aufruf mit Foto ebenfalls gepostet. Freitagnacht kam der Hinweis, wie der mögliche Finder heißt. Der Mann, der die Person auf dem Selfie erkannt hatte sandte eine Nachricht an die Facebookseite, dass er den Selfiemann direkt angeschrieben hat, mit dem dringenden Hinweis das Handy bei der Polizei abzugeben. Lukas weiß wie der Finder heißt und wird die nächsten Tage zur Polizei gehen.

März 12, 2016
von upperswabia
Keine Kommentare

Achtsamkeit

Poah. Wochenende. Wieder ein Rückblick auf eine ereignisreiche Woche. Bei Ihnen auch? Oder war die Woche sooo ereignisreich und Ihnen fällt nichts ein, was positiv hervorgehoben werden kann. Ich kann zwar nicht erzählen, was Sie erlebt haben, doch den einen oder anderen Gedanken von meiner Woche nennen. Und Sie können lächelnd daran darüber nachdenken, dass es bei Ihnen lustiger erfolgreicher unterhaltsamer war. Es gibt erfreuliches, es muss nur daran gedacht werden.

Montag: Ein Familienmitglied kommt nach einigen Monaten zurück aus Neuseeland. Braungebrannt, die Deckhaare von der Sonne ausgebleicht. Es wird nach der langen Hose gerufen, weil es bei uns ja so kalt sei. Abends war das Wohnzimmer voll, ein heiteres Treffen des Freundeskreises. #Vollguat

Dienstag: Medienkompetenztag. #FlippedIdeas
Christian Neff, Schulleiter aus Goldau in der Schweiz wurde vom Kreismedienzentrum Biberach eingeladen. Der Pädagoge erzählte von seinem ersten Projekt und wie er nun den nächsten Schritt wagt: BYOD (Bring your own device) in der Schule einzuführen. Das heißt konkret, die Jugendlichen bringen ihr eigenes digitales Gerät für den Unterricht mit. Ein erfrischender Vortrag, auch wenn die Technik und der überraschende Neuschnee in der Schweiz Sondereinsatz von ihm erforderte. „So viel Streß hatte ich noch nie in der Schule wie für diesen Vortrag heute“, sagt der Pädagoge und nimmt es mit Humor. Als Primarschullehrer hatte er 2009 ein Projekt mit Fünftklässlern gestartet. Die 17 SchülerInnen wurden mit einem Iphone ausgestattet und dieses wurde im Unterricht genutzt. Nun erzählte er, welche Chancen er für den Unterricht sieht, wenn die digitalen Medien bewußt im Unterricht eingesetzt werden und damit gearbeitet wird. Weitere Lehrer erzählten von ihren ersten Erfahrungen in einer Stuttgarter Schule. Ein Lehrer, Sebastian Stoll aus Riedlingen erzählte, wie er „Flipped Classroom“ in seiner Klasse umgesetzt hat.

Warum schreibe ich das? Die Ideen, wie digitale Kompetenz in die Schulen kommen kann, sind bekannt. Es war nur ein Warten, wann es in Oberschwaben zum Thema wird.

Gut – der Breitbandausbau ist in Oberschwaben noch im Gange. Und es ist nicht das erste Mal, dass im ländlichen Bereich eine Stufe übersprungen wird. Damit sei die Idee gemeint, bevor alle Schulen mit Computer ausgestattet werden können, wird solange gewartet, bis die gesetzlichen Regelungen passend sind und die Jugendlichen mit den eigenen Geräten im Unterricht arbeiten können. Übrigens Grundbedingung ist eine Schule mit WLAN. Dies kostet bis zu 10.000 Euro. Weiterhin braucht es Haushaltsmittel, einen Sozialfonds, wenn das Elternhaus diese Geräteinvestition nicht erbringen kann und diese geliehen werden. Ach ja – ganz wichtig: Die LehrerInnen müssen für das Thema offen sein. Tabu ist das digitale Medium als Buchersatz zu verwenden.

Krokus

Krokus und Wildbiene

Mittwoch: #Achtsamkeits-Überraschung – damit ist gemeint, wenn alltägliche Dinge sich minimal verändern und sie mit voller Lebensfreude wahrgenommen werden können. Frühmorgens ist es noch nebelig, die Pflanzen sind mit Raufreif behaftet, trockenkalt. Über dem Nebelmeer blitzte schon der stahlblaue Himmel in homöopathischer Dosis. Trotzdem die sichere Überzeugung – es wird ein Bilderbuch-Wettertag. Um die Mittagszeit summte es unüberhörbar im Vorgarten. Die Wildbienen krabbelten, drängelten aufgeregt in den großen weitgeöffneten Blüten der Krokusse hin und her. Die Bienen waren teilweise gelb eingefärbt, so wild badeten sie in den gelben Pollen.

Donnerstag: #Zufall. Termin beim Friseur und liebe Verwandte getroffen. Wir sehen uns ein- bis zweimal im Jahr, davon ist einmal beim Friseur“. Zufall auch deshalb, weil wir unter der statitischen durchschnittlichen Zahl von 5,5 (Frauen) und 6,9 (Männer) Friseurterminen im Jahr liegen. (Quelle: Statista 2010)

Freitag: Ups. Der Tag war so dicht gedrängt mit Kleinterminen, dass der Achtsamkeitsmoment verpaßt wurde. … oder doch. Ein kurzer Besuch nach vielen Monaten, der junge Mann ist auf dem Weg seinen Traumberuf zu erlernen. Freu mich für ihn. Abends – der große Esszimmertisch ist belegt mit jungen Männern, die sich zum Spieleabend treffen. Plastikbrillen liegen auf dem Tisch, falls es nicht klappt mit dem #Pokerblick.

Samstag: #Wahlrecht nutzen am Sonntag

Der tiefe Wunsch, dass am Sonntag viele Menschen ihr Wahlrecht nutzen und zur Landtagswahl gehen. Und hoffentlich wissen, dass die sogenannte „Alternative“ keine ist. Eine Partei, die mit Ängsten arbeitet, die rassistische, rechtsextreme Ansichten kommunziert, hat kein konstruktives gutes Menschenbild. Folglich ist es auch keine Alternative zu den etabilierten Parteien.

März 6, 2016
von upperswabia
Keine Kommentare

Flucht in der Kunst

Eine sehr berührende Ausstellung von Werken aus in Oberschwaben lebenden Künstlern ist bis Karfreitag in der evangelischen Versöhnungskirche in Ummendorf bei Biberach an der Riß zu sehen.

Es ist beklemmend, wieviele Stimmen lauter werden und mit Gewalt drohen, um die Flüchtlinge zu stoppen. Es macht traurig, dass nur noch von Krisen, Flüchtlingsströmen gesprochen wird und dabei vergessen wird, dass es immer noch Menschen sind, die nicht aus Langeweile alles zurückgelassen haben. Mag sein, dass sich auch kriminelle Mitläufer darunter befinden. Mehr Sorge bereiten mir die kriminellen Aktionen von langjährigen Einwohnern in Deutschland.

Treffpunkte und Begegnungsorte für Einheimische und diesen Menschen ermöglichen ein Aufeinander zu gehen. Es ist wie im wirklichen Leben – es gibt fremde Menschen zu denen findet man leichter Zugang und auch welche, mit denen man kein Gespräch findet. Und dies ist bekanntlich unabhängig jeden Alters, Hautfarbe, Nation und Sprache. Sprache ist wichtig. Doch jeder, der eine Fremdsprache gelernt hat, weiß … bei dem einen geht es leichter und bei dem anderen schwerer.

Flucht-Versöhnungskirche-04

Brunhilde Raiser bei der Eröffnung der Kunstausstellung Flucht

Die Ausstellung wurde von Brunhilde Raiser, Geschäftsführerin Evangelisches Bildungswerk Oberschwaben, vor Monaten kuratiert, vorbereitet. Da waren Flüchtlinge schon in Europa. Mittlerweile ist es eine Zerreißprobe für Europa, weil Länder ihre Grenzen mit hohen Zäunen abgrenzen. Es geht nicht mehr um das einzelne Schicksal, es geht um Grenzen.

Claudio Hils zeigt drei Fotos, Fotocollagen. Der Titel lautet „Red Land – Blue Land“. Diese Begriffe stammen aus der Manöversprache, wenn ein Gebiet in Feindes- und Freundesland aufgeteilt wird. In einem weiteren Bild sind Fenster sichtbar, dahinter werden Schablonen aufgestellt. Eine Frau mit Kind, daneben ein Mann mit Waffe, der die Frau mit Kind bedroht. Diese Szene stammt von einem Schieß-Übungsplatz, in dem trainiert werden soll, die Frau und das Kind nicht zu treffen. Doch was passiert in der Realität?

Jürgen Knubben symbolisiert mit seiner Skulptur, einem Stuhl, die Schwierigkeit ankommen zu dürfen und Platz nehmen zu dürfen. „Begegnungen“ heißen die Zeichnungen von Ulla Mross. Immer wieder fällt mir der Spruch ein, den ich einmal hörte: „Ich will gar keinen Kontakt mit so einem Flüchtling, nachher mag ich den noch“. Dabei wäre das ja positiv. Diese Verweigerungshaltung ist schon seltsam. Andererseits wird auch sichtbar, wie Menschen sich selbst „ausgrenzen“.

Flucht Versöhnungskirche 01Der Syrer Walleed Nizami zeigt drei dunkle Bilder, die noch wenige Lichtspuren haben. Eine symbolisierte Faust, ein Knoten, Szenen von Gewalt und Missbrauch. Die Kuratorin hat seine Werke vor der Flucht im Internet gesehen, es waren quitschbunte Bilder, voller Lebensfreude. Sie fragt sich, ob er jemals wieder diese Farben verwenden wird. Diese Flucht hat seine Unbekümmertheit und Lebensfreude verschwinden lassen. Sehr bunt wirken die Reifen von Daniel Bräg. Eigentlich sind es Rettungsringe, Schwimmhilfen – doch so wie sie stehen, mit Blumen bemalt sind, mit Band verziert, sind es doch eher Trauerkränze geworden. Eine bootsähnliche sich spiegelnde Skulptur von Jörg Bach heißt Seelenverkäufer. Das Schiff, die Schlepper, denen sich die Flüchtlinge anvertrauen, um übers Meer zu kommen. Sie vertrauen und werden oft im Meer zurückgelassen. Und während man sich diese glänzende Skulptur anschaut, erkennt man sein Spiegelbild in dem Werk.

Die Pfarrerin Andrea Luiking ist gespannt auf die Diskussionen des Objektes „Himmelsleiter“ von Reinhard Sigle, welches im Altarraum an das Kreuz angelehnt wurde. Diese Art von Leiter bauen sich die Flüchtlinge aus gefundenen Holzstücken, Treibholz vom Meer. Sie fixieren die Sprossen mit Plastikbändern, um über die errichteten Zäune zu klettern. Raiser erzählte dazu, dass ein Journalist sie ansprach und sagte, dass diese Leiter der Flüchtlinge grundsätzlich so aussieht – nur – die Sprossen und Holzstücke sind weniger mit Plastik verbunden, sondern mit blutigen Stofffetzen. Es sind Stacheldrahtzäune, diese verletzen auf jeden Fall die Menschen, die darüber klettern. Dieses Objekt „Himmelsleiter“ und auch weitere der Werke, wird Pfarrerin Luiking in ihren nächsten Gottesdiensten zum Thema nehmen.

Flucht-VersöhnungskircheEs sind noch weitere sehr berührende Werke zu sehen und zu hören ist der Audiobeitrag „Facebook-Chat“ in der Versöhnungskirche. Die Werke sind Gedankenimpulse. Sie werden im Gottesdienst aufgegriffen. Es ist eine andere Art von  Gottesdienst, der Raum gibt sich um seinen ureigensten menschlichen persönlichen Auftrag Gedanken zu machen.

Jeder Flüchtling hat seine eigene Geschichte, dass darf bei alledem nicht vergessen werden. Pauschalierungen helfen etwas zu vereinfachen – doch jeder Nicht-Flüchtlinge will auch nicht pauschaliert und so gedemütigt werden, wie es diese Menschen, die auf der Flucht sind, erfahren haben.

Öffnungszeiten: Sonntag von 11.30 bis 12.30 Uhr und nach Absprache mit Pfarrerin Luiking, 07351 21617 – Ort: Evangelische Versöhnungskirche Ummendorf

Weitere Infos unter Evangelisch in Biberach

Danach geht die Ausstellung, die nur in Teilen in Ummendorf gezeigt wird, in die Evangelische Bonhoeffer-Kirchengemeinde Friedrichshafen, Stauffenbergstr. 8, 88046 Friedrichshafen – vom Sonntag, 10. April bis Sonntag, 2. Mai 2016. Weitere Informationen unter Bonhoefferhaus FN

Februar 26, 2016
von upperswabia
Keine Kommentare

Öffentliche Meinung Christoph Martin Wieland

Heute gibt es keine vielen Wörter. Diese Woche sind viele Wörter gesandt, viele Ereignisse, Gedanken, Gespräche passiert. Ich halte bewußt an, sozusagen Stillstand und greife nach dem guten alten Zitatenschatz von Christoph Martin Wieland. Einerseits sind seine Texte über 200 Jahre alt – andererseits sind oft Passagen dabei, die mit ihrer Aktualität auch heut noch verblüffen. Christoph Martin Wieland lebte von 1733 bis 1813. Er war ein deutscher Dichter, Übersetzer und Herausgeber zur Zeit der Aufklärung und lebte lange Jahre in Biberach an der Riß, Oberschwaben.

Es ist schon viele Jahre her, dass ich aufgrund eines journalistischen Auftrages das Wieland Archiv besichtigen durfte. In der Bibliothek zu stöbern, die er selbst für sich genutzt hatte, hat mich sehr berührt. In seinen Schriften zu lesen, in seinen Originalwerken zu blättern hat bei mir Spuren hinterlassen. Seine Texte haben eine Unvergänglichkeit.

An nachfolgendem Text bin ich heute hängen geblieben. Interessant auch die Schreibweise, die sich allerdings heute verändert hat.

Was man für die öffentliche Meinung ausgiebt, ist immer die Meinung und der Wunsch einer kleinen Anzahl von Köpfen, denen daran gelegen ist, das Volk zum Werkzeug ihrer Absichten zu machen, und die daher ihr möglichstes thun, das Feuer das sie anblasen, allgemein zu machen. Auch ist es ihnen wohl zuweilen gelungen, ganze Nazionen zu fanatisieren

(Zitat: Gespräche unter Vier Augen, X.31,S.307/8 1798)

Meiner Meinung nach ein Text zum Wirken lassen. Er stammt aus dem Jahr 1798. Ich wünsche Ihnen, wünsche Dir gute Gedanken.

Februar 19, 2016
von upperswabia
Keine Kommentare

Pferd Bodensee 2016 – Messe plus Hengstgala

Alle zwei Jahre gibt es in Friedrichshafen am Bodensee eine Messe, die sich um das Thema Pferd dreht. Das nächste Mal im Jahr 2018. Pferde, Pferde und nochmals Pferde. Es sind Rassen zu sehen, die man sonst nur aus einem Buch kennt. Die Tiere leben in dieser Ausstellungszeit plus Auf- und Abbauzeit in ihren Boxen in der Halle. Sie werden betreut und präsentieren sich mit ihren Eigentümern und Pflegern auf Showplätzen mitten in der Halle.

Islaender-01Es gibt während der Messezeit jeden Tag zu unterschiedlichen Zeiten Sondervorstellungen. Es wird die Vielfalt des Westernreitens gezeigt oder das Haupt- und Landgestüt Marbach präsentierte verschiedene Rassen. Partnerland war die Schweiz, die sich mit Pferden aus dem Schweizer Nationalgestüt vorstellten. Die nordischen Pferderassen wie das Norwegische Fjordpferd mit seinem dunklen Aalstrich zeigten ihr Können. Die Isländer mit Reitern und wehenden Fahnen tölteten im Viereck. Der Tölt ist eine besondere Gangart. Ungewöhnlich sind auch diese zierlichen Miniaturpferde, die schlafend in ihrer Box lagen – wir aber später bei der Hengstgala wiedersahen.

Wer noch nie auf so einer Messe war, ist überrascht wie feminin doch Accessoires für Pferde sein können. Lederriemen verziert mit Straßsteinchen. Die Farbvielfalt ist unerschöpflich. Der Eindruck entsteht, dass gerade die Westernreiter hier sich weniger an klassische Naturfarben halten. In einer Halle duftete es nach Leder. Es gab aufwendig verzierte Ledersättel. Auch eine große Auswahl an Trensen und Zaumzeug war zu sehen, die Vielfalt von Größen, Anordung der Riemen, Designs mit und ohne Verzierungen scheint unerschöpflich zu sein. Weiter ging es mit Hufglocken, Pferdegamaschen, Schabracken, Halfter und Seile. Und obwohl ich es wußte, dass Kräuter und Getreide gesund für Pferde sind, musste ich doch lachen – als ich vor einem Eimer Sonntagsmüsli fürs Pferde stehe, dessen Zusammensetzung detailierter war als das eigene morgendliche Müsli. Von den Steigbügel, Decken, Striegel und Bürsten im Blümchendesign abgesehen – dem menschlichen Erfindungsgeist sind keine Grenzen gesetzt und es gibt Käufer. Irritiert war ich zuerst über den bunten enganliegenden Tierkompressionsanzug. Dieser Anzug wird der mit Hilfe von Reißverschlüssen dem Pferd angezogen wird. Ziel ist es wie bei Kompressionsstrümpfen die Zirkulation zu fördern und Muskelschmerzen vorzubeugen. Das Patent stammt aus Australien. Ach – und zum Anziehen für die Menschen gab es natürlich auch ein reichhaltiges Angebot, auch sehr designorientierte Cowboystiefel. Wie schon gesagt, der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Zu den Sondervorstellungen

Die Biberacher Ponygruppe zeigte in ihrer Kurzpräsentation ihre Shettlandponies. Acht Mädels im Teenageralter zeigten, wie nervenstark, gelehrig und unerschrocken ihre aufgeweckten Shetties sind. Mit einem übergroßen Tuch, dass nach oben und unten bewegt wurden, querten die Ponies unter dem Tuch den Platz. Selbst wenn das bewegte Tuch das Pony berührte, sie blieben ruhig. Ein Shetty fraß gemütlich aus einem Eimer, während ein anderes hinter ihm über eine Stange sprang.
Diese Ponies werden anlässlich des 10tägigen Schützenfest, ein Kinder- und Heimatfest in Biberach an den Umzügen eingesetzt. Das Jahr über versorgen, reiten, trainieren die Mädchen diese Shettlandponies, zu der ein mehrfachprämierter Hengst gehört.
Nachfolgende Bildershow gibt einen Eindruck. Das bunte Tuch ging hoch und runter.

Zum Abschluss stand die Show der TOP-Hengste auf dem Plan. Wunderschöne Hengste. Immer wieder fragte ich mich, ob jemand der keine Pferde mag, diesem Zauber sich entziehen kann. Anmutig, kräftig, muskelgepackt schritten die Pferde entlang der Bande. Ich habe selten soviele fliegende Pferden fotografiert, wie in dieser Show. Es sind Zuchthengste und es waren die TOP-Hengste, die verschiedene Gestüte aus Deutschland dem Publikum präsentierte. Sicherlich waren einige Pferdebesitzer dabei, die hier sehen konnte ob der geplante Hengst für die eigene Stute der Richtige ist. Ein Hengst erwähne ich, weil er mich faszinierte. Von den Fotos habe ich ihn besonders oft „schwebend“. Er trägt den Namen Zalando und dies nicht, weil es zum Schreien ist sondern auch zu den Hengsten gehörte, der einem das Atmen vergessen ließ. Er schreitete durch die Halle – ein Tier, das man nicht mehr vergißt. Mühelos sprangen die Kraftpakete über die aufgebauten Hindernisse, ein Ochser und ein Steilsprung. 1,70 Meter Höhe scheinte kein Problem zu sein und die Fotos zeigten, wie weit noch Luft war zur Stange. Angenehm überraschend war auch die Pferderasse „Freiberger“ aus der Schweiz. Ein Pferd, dass sich meiner Meinung für den Alltag, für den Hobbyreiter wunderbar aufgrund seiner Vielseitigkeit eignet.

Es war eine zweistündige Show, die kurzweilig war. Und wenn ich meine Fotos anschaue – diese kraftvollen eleganten Hengste im Standbild wiedersehe. Es berührt, emotional – wunderschöne Tiere, die Königsdisziplin für den Pferdesport. Nachfolgend gibt diese Kurzversion der Hengstgala einen Einblick.

Februar 13, 2016
von upperswabia
Keine Kommentare

ZKM – Museum für Kunst und Medientechnologie

Das ZKM Karlsruhe steht schon lange auf meiner Wunschliste der Museen. ZKM heißt Zentrum für Kunst und Medientechnologie und zeigt unter dem Sammelbegriff GLOBALE verschiedene Ausstellungen rund um das Thema Daten, Überwachung, Mensch und Medientechnologie. Der Vorstand des ZKM Peter Weibel tituliert es als „Die „Renaissance 2.0“. Der Bereich Global Control and Censorship – Weltweite Überwachung und Zensur sowie die Infosphäre waren der Auslöser meines Besuchs. Wobei der Bereich Infosphäre mittlerweile beendet ist. Die GLOBALE endet am 31. Mai 2016

Rückblick:
10 Jahre dauerte es, bis ich wieder in der Eingangshalle des ZKM stand. Damals wickelte ich unsere fünfmonatige Tochter auf einer Bank nahe dem Hintereingang. Ich setzte sie wieder in den Babysafe, griff nach dem gewechselten Windelpaket und drehte mich um. Der damalige Ministerpräsident Oettinger kam gerade zur Tür herein und schaute mich an. Seine Bodyguards schauten auf meine Hände. Ich so: „Windelbombe, alles gut“. Breites Grinsen und ein Blick auf die Kleine. Und weiter ging es zum Kongress. Eine der Anekdoten, die ich mit dem ZKM verbinde.

Auch dieser Besuch wird unvergessen bleiben, da die An- und Heimreise mit der Bahn emotional ungewöhnlich war. Gut, das sind Nebenschauplätze, den der Blick richtet sich auf die Ausstellung in dem seit 1997 denkmalgeschützten Industriebau.

Ausstellung GLOBALE
In der Eingangshalle stehend habe ich mich in die rechte Hälfte der Hallen orientiert. Infosphäre lautete der Ausstellungsbereich, der mittlerweile beendeet ist. Der erste Blick fiel auf eine sehr großformatige farbige Grafiken – sie wirkten wie eine abstrakte Malerei. Entstanden sind diese Bilder aus Analysen von Instagram Bildern.  2,3 Millionen Bilder aus dreizehn Metropolen, Städten aus der ganzen Welt wurden heruntergeladen und ausgewertet. Analysiert wurde, welche Stadtbewohner gerne nachts fotografieren. Jedes Instagrambild, welches ein Instagramnutzer speichert Ort, Datum und Uhrzeit.  Eine andere Analyse hebt Farblieben heraus. Mehr Infos dazu unter Lab Softwarestudies

ZKM 001cEbenfalls im Bereich Infospähre war das Video von Oliver Laric. Es zeigt Reproduktionen, Kopien aus denen scheinbar immer wieder Neues entstanden ist. Es ist eine Diskussion wert, ob Kopiertes zu einem Original wird, weil es in einem aktuellen Zusammenhang gesehen wird. Der Gedanke, was ist wichtiger das Original oder die Kopie? Oder wieviele Versionen (Kopien) existieren gleichzeitig, wer weiß noch was das Original ist. Auf dem Bild ist exemplarisch eine Szene gezeigt – einmal mit Winnie Puuh und einmal die viel ältere Version von Mogli.

Ebenfalls in diesem Modul Infosphäre zeigte Jon Rafman Fotografien. Er nutzt neun öffentliche Google Street-View-Kameras und ihren täglichen Aufnahmen. Im entscheidenden Moment macht er ein Standbild. Er sieht sich als Fotojournalist, der den Augenblick festhält, wenn alles zusammenkommt. Mehr Beispiele unter 9-Eyes

ZKM 06 BiosensorAusprobiert habe ich auch die Installation Nonfacial Mirror von Scottie Chih-Chieh Huang aus Taipei. Es ist ein Spiegel, in dem sich ein Biosensor befindet der das Gesicht des Betrachters analysiert. Je mehr gelächelt wird, desto mehr blüht die virtuelle Löwenzahnpflanze auf. Hab sie zum Blühen gebracht. (Modul Infosphäre)

Irritiert war ich von den Postkarten des Clement Valla. Es sind keine typischen Urlaubsorte. Die Postkarten zeigen Landschaften, die nicht stimmen. Er zeigt Bilder von Google Earth, die einen realen Raum darstellen sollen. Es sind allerdings Fehler drin. Google Earth täuscht Dreidimensionalität vor.
Es wird auf die menschliche Erfahrung von Licht, Schatten und Landschaft gesetzt und damit Raumtiefe suggeriert. Dazu kommt, dass die flachen Satellitenaufnahmen, die über ein 3D-Modell gelegt werden ebenfalls Raumtiefe und Landschaft visualisieren. Wir meinen somit ein reales Bild von Google Earth zu erhalten, doch es ist technisch zusammengesetzt und es gibt Fehler, die die Postkarten zeigen. Gebogene Straßen, geknickte Flußläufe usw. Mehr zu sehen unter Clement Valla

Nachfolgende genannte Exponate sind bis Ende Mai zu sehen.
ZKM-17Das südkoreanische Künstlerduo Shinseungback Kimyounghun hat ein Jacket entworfen, dass mit Knöpfen benäht ist. Jeder Knopf ist eine Webcam und kann per Knopfdruck einen 360 Grad Rundumblick aufnehmen. Fühlt man sich mit dieser Jacke sicherer im Stadtraum? – ist der Träger Opfer oder Täter? Wer das Aposematic Jacket trägt kann sich vor Angreifern schützen in dem es das Warnsignal „I can record you“ sendet. Wenn es weiter gedacht wird: Wird dann der Stadtbesucher von den Überwachungskameras überwacht oder ist der Jacketträger der Überwacher?

Ebenfalls wird an anderer Stelle in der Ausstellung ein Stadtplan gezeigt, wo und wieviele Überwachungskameras in Karlsruhe installiert sind.

Auch das Thema Wasser wird in einem Ausstellungsteil (linker Bereich der Eingangshalle) betrachtet. Ein Kurzfilm, der mir nicht mehr aus dem Kopf geht. Der Science Ficton Film heißt Pumzi (es ist Suaheli und bedeutet übersetzt Atem). Im ZKM sah ich nur die letzten 5 Minuten (Kurzversion). Der Link führt zum 21 minutigen Film. Es geht darum, dass Wasser kostbar ist und eine Pflanze ungewöhnlicher Weise keimte. Dieses Wunder sollte frei wachsen.

ZKM 07 Snowden Zimmer

ZKM – Snowden-Room

Charmant – das ZKM hat Edward Snowden einen geschützten Aufenthaltsraum mit Arbeits- und Grundausstattung vorbereitet. Weiterhin ist ein Briefkasten angebracht, in dem ihm Briefe gesandt werden. Die abgegebenen Briefe werden vom ZKM ungeöffnet nach Russland an Snowden zugestellt.

 

ZKM 03 Video FukiBeklemmend ist das Video der Live Camera Fukuichi, die auf das Atomkraftwerk Fukushima gerichtet ist. Im März 2011 löste ein Erdbeben die Nuklearkatastrophe aus. Ein Mitarbeiter nähert sich an diesem Tag atmend mit einem Fingerzeig auf die Kamera zu. Die Videokamera sendete kontinuierlich Aufnahmen vom Ort der Katastrophe.  Ein in der Folge als „Finger Pointing Worker“ bezeichneter, dem Künstler bekannter Arbeiter, nutzte diese Aufmerksamkeit. Künstler Kota Takeuchi, Pointing at Fukuichi, Live Cam 2011.

ZKM 11 DiskettenIn einem ganz anderen Raum sei erwähnt die Installation von Sascha Pohle. Hunderte von übereinander gestapelten CD- und DVD-Computerlaufwerke. Überbleibsel einer veralteten Technologie.

Insprierend ist sind auch die Fotos von historischen Beobachtungs- und Wehrtürmen. Damals als man sich vor Eindringlingen schützen wollte/mußte. Wobei – damals waren es Piraten und Eroberer – heute sind es Flüchtlinge. Eine andere Fotoserie zeigt Strände auf dennen sich die Menschen bewegen, sitzen, sich sonnen – während unter ihnen die Datenkabel zu anderen Kontinenten führen. Wieder ein andere Tafel in einem anderen Teil der Ausststellung gab genauen Namen und Standort des jeweiligen Kabels an, dass unterirdisch die Kontinente verbindet. Per GPS kann theoretisch jedes Datenkabel genau lokalisiert werden. Das Wort Eindringlinge, Datenfluß, grenzenlos, Datenschutz bekommt unter diesen Blickwinkeln eine andere Dimension.

ZKM 05 TukuliAuffallend war auch Turul – ein sagenhafter Vogel aus der ungarischen Mythologie. Turul ist ein göttlicher Bote, ein Symbol für Macht. Erik Mátrai hat eine Überwachungskamera so inszeniert, dass sie wie eine Art edler Vogel von der Decke herabschaut.

Immer wieder fürs Stehenbleiben und lesen sorgten die Zeichnungen oder poetischen Sätze von Dan Perjovschi wie: your money in the Bank; your data in the cloud, your future …

ZKM-16+Zum Stehenbleiben führen die „Girls Dogs“ von Julia Scher, die scheinbar den Plexiglasraum von Alicia Framis bewachen. Das ist nun meine Interpretation. Die gefährlich wirkenden Hunde aus Marmor haben jeweils eine Tonspur, die erklärt wie harmlos sie sind. Damit wird das Skurrille zwischen Verteidung und Angst sowie enge Beziehung dargestellt.
Die Plexiglas Installation heißt Confessonarium und soll einen durchsichtigen Beichtstuhl darstellen. Alicia Framis will laut Ausstellungstext die damit vorherrschende Heuchelei der Kirche präsentieren. Das Wechelspiel zwischen Transparenz und Überwachung wird angedeutet wie auch mit dem Wunsch, dass sich eine transparente Gesellschaft, die ihre Fehler selbst verantwortet sich auch verbessern kann.

Michael Bielick und Kamila B. Richter haben eine Projektion erstellt, einen sogenannten Dategeist der mit schwebenden, wellenförmigen Texten aus Twitter die Vorbeilaufenden bedeckt. In meinem Fall konnten sich die Buchstaben nur auf den Boden legen.

ZKM-13-PressefreiheitZKM-15Informativ der Raum von Reporter ohne Grenzen. Pressefreiheit und Zensur. Eine Tafel mit Rankings der Länder, die Journalisten unzensiert arbeiten lassen. Deutschland ist auf dem 12. Platz. Finnland auf dem ersten Platz des Rankinks. Auch die Todesfälle, Verhaftungen, Folterungen sind benannt. Blogger sind aufgeführt, ohne Zahlen.

 

 

 

ZKM 12Würden Sie nachfolgende Nummer wählen, wenn Sie wüßten, dass diese Nummer einem NSA-Whistleblower gehört, der überwacht wird? Sie wissen, dass Sie mit ihrem Anruf automatisch in das zu überwachende Personenumfeld geraten? Wollen Sie wirklich ein Leben führen, in dem Sie sich davor scheuen, vollkommen normale, legale Dinge zu tun, wie zum Beispiel eine Handynummer anzurufen?
Die Telefonnummer lautet: +49 (0) 174 276 6483.  Christian Sievers (Exoponat war ebenfalls im Modul Infosphäre präsentiert)

Und zu guter Letzt sei noch das Stockwerk mit Global Games genannt. Computerspiele. Computerspiele die über den Irrsinn von Bomben, Sklavenarbeit und weiterem spielerisch zum Denken anregen.

Ich werfe verschiedene Exponate vor Augen, doch diese hatten unterschiedliche Ausstellungszeiträume. Es kann also sein, dass einige der genannten Werke mittlerweile abgebaut sind. Da es ein fließendes ineinandergehen der Ausstellungsreihen ist, kann ich nicht mehr zuordnen – welches wo war. Daher mein Rat, sich auf die Ausstellung einlassen und je nach Thematik und Tagesstimmung interessiert Dich/Sie vielleicht ein ganz anderer Aspekt.

Wenn ich an meinen ersten Besuch im ZKM denke, würde mich die Reaktion von Günther Oettinger interessieren. Damals war er Ministerpräsident – heute arbeitet er in der EU für den Bereich Kommunikationsnetze, Inhalte und Technologie (CNECT) sowie Datenverarbeitung. Genau das Ausstellungsthema. Wie ist es also mit unserem Schutz der persönlichen Daten? Er hat den Ruf, dass ihm der Schutz der persönlichen Daten nicht an höchster Stelle steht.

Ob sein Mobile auch seine Daten sendet, wenn es an dem Bildschirm im ZKM vorbeiläuft. Wie würde er schauen, wenn seine Daten für alle sichtbar auf dem Bildschirm stehen. Obwohl ich Namen sah, bin ich doch überrascht gewesen, als ich meinen eigenen Mobilenamen sowie meine genutzten WLAN-Netzwerke auf einem Bildschirm aufleuchteten. Es bleibt ein sehr unangenehmes Gefühl „ausgelesen“ zu werden. Ich hatte WLAN, GPS ausgeschaltet – trotzdem, der Sensor schnappte sich meine Daten beim Vorbeilaufen.

Schon ver-rückt. Vor 10 Jahren schaute man auf ein harmloses Windelpaket und wußte nicht, wie der Sicherheitsdienst nun mit einem umgeht. Heute werden unbemerkt meine Datenspuren abgesaugt. Irgendjemand maßt sich an, meine Reaktionen und Gedanken vorauszusagen und zu interpretieren. Was bringt uns die Zukunft?

Ort: ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie, Lorenzstraße 19,
76135 Karlsruhe, Telefon +49 (0)721 – 8100-0

Infos zu den verschiedenen Ausstellungen der  GLOBALE.
Vertiefende Informationen zum Bereich Globale-Control-and-Censorship.
Ausstellungsbeschreibung zu Globale-Control-and-Censorship
Besucherinfo
des ZKM

Februar 1, 2016
von upperswabia
Keine Kommentare

Mit der Bahn von Biberach-Karlsruhe und zurück

Jedes Mal wenn ich mit der Deutschen Bahn fahre wünsche ich mir eine Fahrt ohne besondere Vorkommnisse. Und nach der Fahrt denke ich immer, es hätte schlimmer kommen können. Die Deutsche Bahn als Helfer in positivem Denken.

Schon seit langem steht ein Besuch des ZKM (Zentrum für Kunst und Medientechnologie) auf meiner Wunschliste. Anlass angenommen und umgesetzt. Es begann wie im Bilderbuch. Regen und Sturm war angesagt. Doch in Biberach, Oberschwaben scheinte die Sonne, der Zug kam pünktlich. Was will man mehr. Umsteigen in Ulm. Alles im Fluss. Pünktlich kommt der Zug. Auf dem Bahnsteig treffe ich Josepha. Wiedersehensfreude. Wir hatten Kontakt bei einem Projekt. Mehr nicht. Wir setzten uns im IC nach Stuttgart zusammen. Als ich nach meiner Geldbeutel (schwäbisch für Geldbörse) kramte, stellte ich fest: er ist nicht dabei. Verloren. Vergessen? Ich war mir sicher, dass er nicht verloren ist. Vermutlich liegt er im Auto. Brauche ich Geld lautete die rhetorische Frage. Notgroschen sind in der Tasche. Nein ich brauche kein Geld heute – alles ist dabei was ich brauche.

Dann kam die Schaffnerin. Freudestrahlend zeigte ich ihr meine Online-Fahrkarte. Die Bahncard und der Personalausweis waren in der fehlenden Geldbörse. Ich zeigte ihr allerlei Dokumente, Emails, Visitenkarte. Genug Papier um zu beweisen, dass ich ich bin und eine gültige Fahrkarte habe. Das reichte der Schaffnerin nicht. Sie stellt mir eine Fahrpreisnacherhebung in Höhe von 60 Euro aus. Sie gab mir den Hinweis, dass ich mit einer Bearbeitungsgebühr von 7 Euro der Fall sich mit Bahncard und Personalausweis am Bahnschalter erledigt. Mach ich – ist ja mein Problem, wenn ich ohne das wichtigste Accessoire unterwegs bin. Josepha bestand drauf, dass sie mir jetzt 30 Euro leiht. Nach einem Zögern nahm ich an. Sie weiß, dass ich es ihr am Montag bringen werde. Und wieder war ich mir sicher, ich werde das Geld nicht brauchen. Doch es kam unerwartet anders.

Trennung in Stuttgart und Weiterfahrt nach Karlsruhe. Kein Zugbegleitpersonal wollte etwas von mir wissen. Glück gehabt, denn vermutlich wäre die nächste Fahrpreisnacherhebung notwendig geworden. In Karlsruhe direkt das ZKM angefahren und die Ausstellung Globale angeschaut. Auf dem Weg zurück am Bahnhof nachgefragt, ob es tatsächlich jede Fahrt eine Fahrpreisnacherhebung bedingt, auch wenn alle auf einem Ticket stehen. Er sagte ja. Mit einem Lächeln fügt er hinzu: „Warten Sie die Schaffnerin ab, vielleicht haben sie Glück.

Ok. Glück im Unglück. Die Zugbegleiterin im IC meinte nach Sicht der Onlinefahrkarte: „Sie hatten heute Morgen Stress, das reicht für heute“. Voll nett. „DANKE“, sagte ich.

Es gab während der Fahrt eine Ansage, dass der Zug nicht in Stuttgart hält. Störte mich nicht. Ich wollte ja nach Ulm. Doch es kam anders. Der Zug hielt in Plochingen. Zuerst für unbestimmte Zeit, kurz danach eine Ansage, dass alle Fahrgäste nach Ulm aussteigen sollen. Ok. Schnell eingepackt und raus. Übers Remstal nach Augsburg wollte ich dann doch nicht. Ein Notarzteinsatz zwischen Göppingen und Eislingen war der Grund. Am Bahnsteig Plochingen kam eine unverständliche Ansage. Online wurde der Zug eine Stunde später empfohlen. Die ungehorsame Gruppe von ausgestiegenen Bahnfahrern wählte die Bummelbahn, die nach Prüfung immer noch früher in Ulm ist und somit Anschlusszüge Richtung Bodensee erreichbar macht. „Lieber bummeln wir das Filstal hoch, als dass wir eine Stunde in der Kälte stehen“, so das gemeinsam gefundene Credo. Weiter ging es bis Göppingen. Dann stoppte der Zug erneut und versprach keine Weiterfahrt. Vollsperrung. Der Zug fährt wieder zurück nach Stuttgart. Pause. Eigentlich müsste man nur an der Notfallstelle vorbei. Ob die Bahn wohl einen Schienenersatzverkehr anbietet? Im Göppinger Hauptbahnhof wimmelte es von über 100 Personen, die nicht wussten wie es weitergehen soll. Multilingual. Und die Ansage war viel zu leise um irgendetwas zu verstehen. Es hieß es werde ein Bus angefordert. In einer Stunde ist er da.

Busabfahrtsplatz wurde auf dem ZOB gesucht. Keiner wusste Bescheid. Wieder zurück zum Bahnhof. Schienenersatzverkehr gestrichen, mangels Bussen. Es sei Fasnet, alle Busse sind im Einsatz. Die Ansage immer noch sehr leise. Es war ein Hinhalten mit Infobroken und immer wieder der Hinweis: Vollsperrung Notfalleinsatz. Was da wohl passiert ist. Es heißt nichts Gutes. Einer sagte: „Schei.. Job, die Teile wieder einsammeln“.

Mit Blick auf die Gruppendynamik. Es gab Personen, welche die wenigen Infos, die wir von der Bahnmitarbeiterin per Lautsprecher erhielten, ins Englische für die Mitwartenden übersetzten. Wieder andere Personen standen direkt unter dem Lautsprecher um den Wortlaut besser zu verstehen. Andere suchten online oder telefonisch nach Informationen, wie es und wann es weitergeht. Wieder Andere telefonierten und sandten Nachricht, dass die Heimreise sich verzögert. Auffallend – trotz digitalem Zeitalter – die Menschen schauten sich an, reagierten auf einander und sprachen miteinander. „Können Sie auf meine Tasche aufpassen? Ich muss aufs Klo“ war einer der Sätze. Koffer wurden in die Mitte der Gruppe gestellt und es gesellten sich weitere Taschen zum Aufpassen hinzu. Auch wurde relativ schnell recherchiert für andere, wer wo wie in welchen Zug noch zur Heimreise braucht.

Mittlerweile fand die Ansagestimme den Lautstärkeregler. Vielleicht hatte sie endlich auf ihrem Pult gesehen, dass die Wartenden in Richtung Lautsprecher sprangen, um besser hören zu können. Es hallte sehr in der Bahnhofsvorhalle. Fast hätte es Beifall gegeben, doch die Info war immer noch unbefriedigend. „Woher sollen sie auch mehr wissen“, sagte ein Mann beruhigend. Es ist abhängig wie lange die Polizei und der Notarzt vor Ort arbeiten müssen, sagte ein Mann. Nachdenken. Ein Zug nach dem anderen fiel aus. Die Frage stand im Raum, wann zahlt die Bahn ein Taxi. Wie kommen wir weiter. Ja, richtig gelesen. Mittlerweile gab es ein WIR-Gefühl. Gewissheit gab es nicht, ob der Zug ab 22.00 Uhr fahren wird.

Die Entscheidung fiel – WIR fahren mit dem Taxi nach Ulm, auch auf eigene Kosten. Hauptsache weiter. Heimwärts. Taxis waren ebenfalls Mangelware. Eine Frau aus Ulm kam extra nach Göppingen gefahren, um ihre Angehörige abzuholen und sie nahm weitere Personen mit. Der Kreis von wartenden Menschen wurde kleiner. Es gab eine gruppendemokratische Entscheidung, wer das nächste Taxi bekommt. Die Personen, die am weitesten noch eine Heimreise hatten, sollten zuerst fahren, damit die weiterfahrenen Züge ab Ulm besser erreicht werden. Übrig blieb eine Anzahl von Personen, die nicht in einen PKW reingepasst hätte. Wiederum Glück. Es kam ein 7-Sitzer um die Ecke.

Die Taxikosten wurden in Ulm auf die Personen verteilt. Gut, dass ich die 30 Euro von Josepha dabei hatte. Jetzt kamen sie zum Einsatz. Im Bahnhof bescheinigte ein Bahn-Mitarbeiter den Ausfall der Züge, empfahl auch die Taxikosten bei der Beschwerde miteinzureichen. Wieder im Zug in Richtung Süden …. WIR saßen alle in einem Wagen, unterhielten uns. Es ging uns gut.

Eine Biberacherin stellte fest, dass wir doch ein sehr positives Grüppchen sind. Keine Nörgler, Jammerer, Schimpfer, Stinkstiefel, Miesepeter dabei, eher Menschen die aus der Situation das Beste machen. O-Ton von ihr: Wann fahren wir das nächste Mal gemeinsam? Es wurde gelacht. Antwort: „Unter anderen Umständen gerne wieder“.

Januar 27, 2016
von upperswabia
Keine Kommentare

Schwäbisch Alemannische Fasnet

Wenn ich als Tourist in der Karnevalzeit nach Oberschwaben kommen würde, dann würde ich mir die Schwäbisch Alemannische Fasnet anschauen. Und sonst als Oberschwabe, Wahloberschwabe, Baden-Württemberger und so weiter natürlich auch. Es ist skurril. Je nach Umzug stehen tausende Menschen rechts und links von der Hauptstraße und schauen vermummten Menschen zu. Sie haben alle Gewänder an und sind nicht erkennbar ob Männlein oder Weiblein. Die Masken sind aus Holz geschnitzt und können freundlich, grimmig, traurig, heiter, furchterregend wirken. Es scheint so, dass das menschliche Gemüt in eine Maske gepackt wurde. Übrigens diese Vollvermummung des Gesichtes wird auch Larve genannt. Das Wort Larve wird meist als eine Art Raupe verwendet, die sich in einen Schmetterling verwandelt. So kann dies sicherlich auch für so manchen Hästräger verwendet werden. Oft schaut aus einer hässlichen Maske einen doch ein nettes Gesicht an.
„Häs“ wird das Kostüm genannt, das die Narren tragen. Das komplette Kostüm, das die Narren in der schwäbisch-alemannischen Fasnet wird nicht gewechselt. Es wird jedes Jahr getragen und wer nicht mehr mitmacht, gibt es dem Neuling in der Zunft oder seinen fast erwachsenen Kindern weiter. Übrigens die Kinder tragen selten Masken, weil diese sehr schwer und auch sehr teuer sind.

Die schwäbisch-alemannische Fasnacht oder Fasnet wird im südwestdeutschem Raum gefeiert und in Teilen der Schweiz (Nordost und Zentralschweiz). Es nehmen viele Hexen an den Umzügen teil, dazu muss man wissen, dass diese erst Mitte des 20. Jahrhunderts entstanden sind. Davor gab es die meist freundlichen Masken, die nach Weihnachten bis zur Fastenzeit die Bürger, die geistlichen und die weltlichen Herrscher ins Gespräch verwickelten und Themen hinterfragten, die sonst tabu waren. Es ist also eine Art weiterentwickelter Hofnarr.

Übrigens die schwäbisch-alemannische Fastnacht wurde im Dezember 2014 in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen.

Häufigster Ablauf der schwäbisch-alemannischen Fasnacht, Fasnet, Fastnacht im süddeutschen Raum:

6. Januar – Heilige Drei Könige:
An Dreikönig werden die Masken (Larven, es gibt noch einen Begriff Schemen) abgestaubt. Die ersten Narrenumzüge und Veranstaltungen finden statt.

Es gibt Besonderheiten in den jeweiligen Orten. Erwähnenswert ist auch das „Klepfen oder Schnellen der Peitsche“ die Narren erzeugen damit einen markanten Knall (Markdorf, Pfullendorf, Weingarten, Überlingen) Fuhrmannspeitsche“.

Donnerstag vor Aschermittwoch
Mit dem Gumpigen Donnerstag oder Schmotzige Dunnschtig startet der Höhepunkt der Fasnet. Dicht sind die Ereignisse und es gibt auch lokale Spezialitäten wie die Fasnetsküchle (ähneln dem Gebäck „Berliner“ oder dem Dresdner „Pfannkuchen“.

Fasching ist jedes Jahr an einem anderen Tag. Berechnet wird dies rückwärts. Ostern wird am Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühjahrsbeginn gefeiert. Der Aschermittwoch, Beginn der Fastenzeit liegt 46 Tage vor dem Ostersonntag. Und der Fasnetdienstag (oder Faschingsdienstag, Karnevaldienstag) ist vor dem Aschermittwoch.

Wer mehr darüber erfahren will, wie Ostern festgelegt wird – siehe Link Berechnung des Osterdatums auf Wikipedia

 

Januar 23, 2016
von upperswabia
Keine Kommentare

Die Welt ist ein Dorf, auch auf der CMT

Kürzlich war ich auf der CMT in Stuttgart. Es sei weltweit die größte Publikumsmesse für Tourismus und Freizeit. Über 2.000 Aussteller aus fast 100 Ländern weltweit präsentieren eine Woche lang ihr Ländle. In der Halle 6 sammelten sich die vielen Urlaubsregionen aus Baden-Württemberg. Es gibt scheinbar für jede Frage, für jedes Interesse einen Prospekt. Als Reisende aus Oberschwaben wollte ich aber nicht soooo viel Papier tragen. Und mein Feuer für etwas weitere Länder, Kontinente wurde zudem aus der fast erloschenen Glut lagerfeuergroß angefackelt.

Warum geht man auf die CMT?

CMT-02-Steiff-BärSchon während der Bahnfahrt ist mir aufgefallen, dass einige der Reisenden die CMT als Ziel hatten. Es wurden Wanderwege, Radtouren, besondere Sehenswürdigkeiten und Lokale markiert und versucht in eine Rundtour einzubinden. Die beiden Frauen planten ihre Reise nach Irland. „Wir brauchen noch weitere Informationen und Insidertipps für die Radtour. Und das gibt es sicherlich auf dem Ausstellerstand. Wenn nicht dort, wo dann“, erklärte die Mitvierzigerin. Die Beiden erkunden jedes Jahr eine anderes Land. Ein anderes Ehepaar kennt sein Zielland und die Region und hofft auf der Messe eine Reisearrangement inklusive Messerabatt buchen zu können. Viele Anbieter von Wohnmobilen waren in den Hallen präsent. Ein Ehepaar hat seit 10 Jahren ein eigenes Wohnmobil. „Wir schauten uns einige Modelle an und mit welchen Neuerungen und Trends geworben wird. Interessiert waren wir auch an Informationen über Frankreich. Leider waren nur wenige Regionen präsent“, sagte das Paar enttäuscht.

BaWueMein Anliegen war das Bloggertreffen, Kontakte auffrischen und neue knüpfen. Außerdem der Blick auf die jeweiligen Tourismusangebote im eigenen Ländle bzw. mögliche Kooperationen. Von daher war ich gefühlt sehr lange in der Halle 6, Schwerpunkt Baden-Württemberg. Das Thema Pilgern im eigenen Ländle wurde von der Diözese Rottenburg-Stuttgart sowie der Evangelischen Landeskirche gemeinsam vorgestellt. Pilgern ist religionsneutral. Wenn man sich die Routen verlaufen viele Wege in Oberschwaben. Interesse keimt auf, einen Klosteraufenthalt in Bad Wimpfen zu wagen. Warum nicht: Konzentration, Ruhe, Auszeit.
Ob Bodensee, Allgäu, Oberschwaben, Donautal, Schwäbische Alb, Stauferland, Taubertal, Schwarzwald, Region Stuttgart. Unser Ländle hat so unsagbar viele Ausflugsorte, dass einem schwindelig wird. Ein Grund zum Glücklichsein über die vielen Möglichkeiten. Übrigens ein Schluck Schwäbischer Whisky aus dem Filstal habe ich auch probiert. Nicht so torfig, wie ich Whisky mag – aber feinmundig für Einsteiger.

CMT-01-Freilichtmuseum-03Ein freudiges Wiedersehen war das Werbeschild der Freilichtmuseen aus Baden-Württemberg. Eines der Bilder und seine Entstehungsgeschichte kenn ich zu gut.

Entdeckt habe ich Ungarn auf der Messe. Das Pferdeland, weite grüne Landschaft, Seenlandschaften, Nationalparks, traditionelle Feste und leckeres Essen. Es gibt Pläne für die Pfingstferien. Mehr kann ich noch nicht verraten.

Zum weiten Fernweh gesellte sich wieder Australien – eine Schmuckdesignerin frischte meine Opalkenntnisse auf. Es war erfrischend ihr zuzuhören. Sie beschrieb die Abzweigungen zu Opalschürfgebieten, wie wenn ich den Weg zum nächsten Badesee beschreibe. Alles ganz nah.
Ich folgte in Gedanken ihren Beschreibungen, wie wenn ich es demnächst selbst fahren müsste – ohne Navi. Und Wehmut breitete sich aus, als sie mir erzählte, dass Pit, der mich für Opale begeisterte verstorben sei und sein Laden aufgelöst wurde. Die Welt ist ein Dorf.

Fazit: Liabe Lait, gucket Euer schees Ländle inklusive Oberschwaben an. Manchmal muss mer gar net soweit fahra. Action, Outdoor, Kultur, Genuß gibt’s auch im Tagesausflug-Rhythmus. Und die CMT weckt #Hunger auf #Reisen. So soll es sein.

Mehr Infos zur Messe CMT Stuttgart 2016 #cmt16

CMT-04-Porsche-Museum

Repräsentant aus dem Porsche Museum

Januar 3, 2016
von upperswabia
Keine Kommentare

Film: Das brandneue Testament

Das brandneue Testament ist ein Film über den trefflich diskutiert werden kann, weil er Sätze aus dem Testament aufgreift und neu anstrahlt.  Der Film kann auch nur unter dem Aspekt Satire angeschaut werden oder absurd benannt werden. Geht auch. Läuft auch.

Gott lebt und er wohnt in Brüssel. Anders wie es im alten Testament steht hat Gott zuerst eine Stadt und zwar Brüssel geschaffen. Da diese Stadt ziemlich grau und langweilig war setzte er noch zwei Menschen rein und hat einen heiden Spaß Chaos und Unglück in die Welt zu setzen. Der Typ Gott lebt mit seiner Frau und seiner Tochter Ea in einer 3-Zimmer-Wohnung. Der Bruder Jesus kam irgenwie ums Leben und steht als Statue auf der Komode. Die Tochter ist 10 Jahre alt und cool drauf. Sie war nur noch nie draußen, weil es keine Wohnungstür nach draußen gibt. Ihr Vater arbeitet in einem Raum, in dem sie nicht rein darf. Der Raum ist hoch und rundum mit Aktenschubladen ausgestattet, mittig steht ein Computer in dem Gott seine Spielchen mit den Menschen produziert. „Gott schuf den Menschen nach seinem Ebenbild“, dieses Zitat aus der Bibel hörte ich kurz danach wieder im Gottesdienst unserer Gemeinde. Das gibt einen ganz anderen Blick auf diese Filmgottfigur. Gott ist im Film ein selbstgefälliger gewalttätiger schmudeliger Typ. Er schlägt seine Tochter und mißachtet seine Frau. Das Gegenteil, was uns als Vorbild gepredigt wird. Nichts zu spüren zum Thema gütiger Gott. Er ist ein Ekel.

Seine Tochter trotzt und schleicht sich in seine Homeoffice und hakt die Daten im Computer und sendet die Todestage per SMS an jeden einzelnen Menschen. #Deathleak wurde diese Aktion genannt. Danach flieht sie durch einen Geheimgang und landet bei den Menschen. Im neuen Testament ist ja die Rede von 12 Aposteln. Allerdings sagte Eas Bruder zu ihr: Such dir weitere sechs Apostel. Mama ist Baseballfan und da besteht ein Spiel aus 18 Mitgliedern. Ea sucht sich also willkürlich sechs weitere Apostel, Weibliche und Männliche. Und jede Person bringt so ihre eigene allzu menschliche Geschichte mit. Der bekannte Todestag löst bei den Menschen wie zu erwarten neue Denkprozesse aus. Auf einmal gibt es wichtigeres zu tun als Kriege zu führen. Ein heiterer Aspekt ist der junge Mann, der noch zig Jahren leben wird und deshalb alle Möglichkeiten eines Selbstmordversuches ausprobiert. Kurzum ein Film der das bekannte Testament etwas rüttelt und schüttelt. Penner Vincent hat nach Anweisung von Ea die Aufgabe diese Geschichte, das „brandneue Testament“ aufzuschreiben.

Ein Flächenbrand wird der Film nicht auslösen und als Grundlage für ein neues Testament wird der Film auch nicht werden. Der Bibelsatz (Moses, 1, 27): „Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er sie“ bekommt bei diesem Ekel an Filmgott eine neue Sicht. Dazu gesellt sich die Frage, welche Bedeutung hat der Tod in unserem Leben? Warum verändern Menschen ihr Leben erst, wenn es begrenzt wird. Und der Film läuft seit einem Monat in den Kinos, je nachdem wo man wohnt in Oberschwaben. Deutschlandweit betrachtet genießt er Popularität. Ach, ebenfalls ein Aspekt: Sind wir religiöser, wenn wir unsere Religionsschriften nicht ganz so ernst nehmen?

Link zur Webseite des Filmes DAS BRANDNEUE TESTAMENT