Im Oktober ist in Oberschwaben Filmfestivalzeit. In wenigen Tagen sehr gute Filme aus den Bereichen Kurzfilm, Mittellange Filme, Dokumentationsfilme, Debütfilme, Spielfilme im Kino zu sehen, das ist ein Fest für Cineasten, Filmegucker. Es ist ein Highlight. So auch in Biberach. Es gibt überraschende Begegnungen und es gibt immer noch Menschen, die dieses Publikumsfilmfestival das erste Mal besuchen. Für mich gehört dieses Filmfestival zu den Kulturhighlights im Jahresverlauf. Seit 16 Jahren besuche ich dieses Filmfestival mit hoher Dichte an Filmsichtungen. Bis zu drei Filme zu sehen an einem Festivaltag ist keine Seltenheit für mich. Eine intensive Zeit mit Filmen, die mich überraschen, zum Nachdenken und zum Lachen bringen können. Filme, die mir Einblicke in Welten geben, die ich bisher nicht kannte oder Welten, die mit dem Blick des Publikums neu betrachtet werden. Filme im Kino sind intensiver und faszinierender als auf dem Bildschirm zu Hause. Das Licht, der Sound lassen Details erkennen, die außerhalb des Kinos oft übersehen werden und ja auch die Gemeinschaft, die den Film sehen will.
Großartig ist auch das gemeinsame Schauen mit anderen Menschen, das Knistern der Spannung zu spüren, das gemeinsame Lachen oder auch die Stille im Kinosaal zu erleben. Das Sahnehäubchen ist zudem nach dem Film das Gespräch mit den Filmschaffenden. Er eröffnet die Dimension der Hintergründe zum Film. Die Gedanken, die sich die Filmschaffenden gemacht haben, der Anlass zum Film, welche Hürden und Wendungen es beim Dreh gab und auch die Erkenntnis wie lange es gedauert hat, dass der Film nun so auf der Leinwand gezeigt werden kann. Es ist ein weiterer Bonus, nach diesen kuratierten und ausgewählten Filmen des künstlerischen Intendanten auch diese engagierten und kreativen Filmemacher zu erleben.
Die Biberacher Filmfestspiele ist eines von vielen Festivals in Deutschland. Doch es ist geprägt von der künstlerischen Leitung und dem Duktus der Filmauswahl für dieses Festival. Auch wenn das Rahmenprogramm stets wächst, die Filme sind der Schlüssel zum qualitativ und hochwertigen sehenswerten Kinoerlebnis. Für die jungen und langjährigen Filmschaffenden ist es eine gute Möglichkeit sich zu vernetzen und gegenseitig kennenzulernen. Der traurige Schatten, der dieses Jahr über dem Filmfestival hing, gilt der Erkenntnis, dass Qualität und Erfolg nicht verhindert, dass man sich wieder vom künstlerischen Intendanten trennt.
Es hätte daher nicht schon wieder einen Wechsel geben müssen. In wilden und turbulenten Zeiten hätte es gutgetan mit dem Intendanten Douglas Wolfsberger das Festival weiterzuentwickeln. Er kannte das Festival seit Jahrzehnten, trotzdem war der Eindruck, dass es sich weiterentwickelt. Es ist ja gut, wenn nicht alles so bleibt wie es vor vielen Jahren war. Doch meiner Meinung ist es gefährlich und naiv der Vorstandschaft der Biberacher Filmfestspiele e.V., dass ein Personalwechsel nach drei Jahren zu einem besseren Festival führt. Das ist ein Trugschluss. Die Stelle der Intendanz verkommt zu einem Schleudersitz für die Biberacher Filmfestspiele.
Nah liegt der Gedanke sich hochmotiviert auf diese Stelle zu bewerben, es einfach auszuprobieren und wie es sich für dreijährige Schleudersitze gehört: das erste Jahr wird probiert, das zweite Jahr wird nachjustiert und im dritten Jahr läuft es hoffentlich super und dann Tschüss. Und wenn es schief läuft: egal. Neues Spiel, neues Glück an einem anderen Ort. Der Vereinsvorstand schreibt, dass er sehr zufrieden ist mit Douglas Wolfsbergers Arbeit. Wolfsberger hat nach der Coronapandemie und den personellen Querelen der Vergangenheit das Festival wieder auf die Höhe gebracht hinsichtlich Qualität, Popularität und Besucheraufkommen.
Es fühlt sich einfach ungesund an, diesen Intendanten wieder weiterziehen zu lassen und den Vertrag nicht zu verlängern und die Hoffnung auf eine neue Person zu lenken, die nach drei Jahren ebenfalls wieder weiterziehen wird. Vertrag ist Vertrag.
Nun aber Blick auf den Glanz und die diesjähren Preisträger der 48. Biberacher Filmfestspiele, die lauten:
- Goldener Biber: Zoey & Ben von Alexander Conrads. Für den besten Spielfilm, von der Stadt Biberach mit 8000 Euro dotiert
- Debüt-Biber: Lord von Caren Wuhrer. Vom Landkreis Biberach mit 3000 Euro dotiert.
- Doku-Biber: Die Heilung – Eine Geschichte vom Weitermachen von Marcus Richardt und Lillian Rosa. Von der Firma Liebherr mit 3000 Euro dotiert
- Fernseh-Biber: Der unsichtbare Zeuge von Alexander Dierbach. Vom Autohaus Rapp mit 3000 Euro dotiert
- Mittellange-Filme-Biber: Frutti di Mare von David Lapuch. Von der BKK VerbundPlus mit 3000 Euro dotiert.
- Kurzfilm-Biber: Dosenmutter von Alexander Peskador. Von der IHK-Ulm mit 2000 Euro dotiert
- Publikums-Biber: Der unsichtbare Zeuge von Alexander Dierbach. Von der Werbegemeinschaft Biberach mit 2000 Euro dotiert
- Jugend-Biber: Gropiusstadt – Supernova von Ben Voit. Von der Kreissparkasse Biberach dotiert mit 3000 Euro.
Adele Neuhauser erhält dieses Jahr den Biberacher Ehrenbiber. Sie ist bekannt als Bibbi Fellner aus dem Wiener Tatortkrimi, aber auch sehr vielen anderen Filmen, die preisgekrönt im Kino und im Fernsehen ausgestrahlt wurden. Wie sagte Sie in einem Interview: „Einen Ehrenbiber zu erhalten fühlt sich an, wie am Ende seiner Karriere, doch ich habe noch viel vor.“
Link zu Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Adele_Neuhauser




