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Grande Dame Gerda Sorger aus Riedlingen

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„La Grande Dame der Riedlinger Kunstszene“ wurde sie von Kreissparkassen Direktor Matthias Reichelt genannt. „Sie ist ein Farbtupfer in Riedlingen, eine Inspiration für Andere und sie zaubert einem ein Lächeln ins Gesicht“ so beschrieb Bürgermeister Marcus Oliver Schafft die Künstlerin Gerda Sorger. Anlass war die Buchvorstellung von Gudrun Vogel, die das Künstlerporträt von Gerda Sorger schrieb.

Gerda Sorger ist bekannt für ihre farbenfrohen Bilder. Auch weiß ihre große Fangemeinde, dass sie erst mit 51 Jahren begann zu Malen. Sie pflegte ihre Mutter über viele Jahre. Nach deren Tod fiel der Lebensinhalt weg. Gerda musste sich neu orientieren.  Sie meldete sich zu Malkursen an und traf Shmuel Shapiro. Er ermutigte sie weiterzumalen mit ihrer expressionistischen Farbenwahl.  Und sie malte. Unbeirrbar. Heute kann sich keiner mehr vorstellen, dass Gerda Sorger auch eine Zeit ohne Pinsel und Farben hatte. Sie lebt, wenn sie malt – auch wenn es beschwerlicher wird.

Als sie vor einigen Jahren zu mir sagte, sie höre auf mit dem Malen, widersprach ich ihr. Das ist gar nicht so einfach, denn sie kann sehr bestimmend sein. „Wer kümmert sich nach meinem Tod um meine Bilder“, fragte sie mich. Ich antwortete genauso bestimmend. „Ich bin mir sehr sicher, dass es da jemanden gibt. Die Sorge um die Bilder ist kein Grund mit dem Malen aufzuhören“, so mein Plädoyer.
Wobei ihre Sorge aus ihrem Blickwinkel nachvollziehbar ist. Wer sie einmal besuchen durfte in ihrer Wohnung in der historischen Altstadt und in ihrem Atelier, erkennt diese enorme Schaffenskraft dieser starken Frau. In ihrem Atelier setze ich mich gerne auf den Boden und blättere in ihren Mappen mit Papierarbeiten. Ihre Ölgemälde stehen hintereinander angelehnt an der Wand. Auch an den Wänden hängen ihre Werke. Eine Augenweide.

„Jugendzeit“ von Gerda Sorger (privat)

In einer Ausstellung vor einigen Jahren erlebte ich einmal einen Besucher, der meinte, das hat wohl ein Kind gemalt. Ich sagte laut „NEIN, das stimmt nicht. Kein Kind würde so malen. Schauen sie es nochmals an. Linienführung. Farbwahl. Gerda Sorger hat sich etwas Unbekümmertes und Lebensfreude bewahrt. Das ist bewundernswert“. Gut, wer sie kennt kann hinzufügen: Trotz ihrer Vergangenheit oder gerade deshalb. Das kann allerdings ein Betrachter nicht wissen. Allerdings fällt auch auf, dass ihre Vergangenheit sie prägte und dies gehört auch dazu.  Künstlerfreundin Gudrun Vogel ist dies auch aufgefallen und sie schritt zur Tat.

Es ist konsequent, dass die Lebensgeschichte der mittlerweile 94jährigen Gerda Sorger aufgeschrieben wurde. Wenn ich mich recht erinnere ist sie erst seit ihrem 90sten Lebensjahr offen mit ihrem Alter umgegangen. Davor war es unwichtig. Daher ist es ein guter Zeitpunkt für Gudrun Vogel. Sie hat mit einem Voice-Recorder (Aufnahmegerät) die Gespräche aufgenommen. Gerda sagte ihr zwar immer wieder, dass sie nichts zu erzählen hätte. Doch im Laufe des Besuches sprudelten die Geschichten. Gudrun Vogel: „Zuhause habe ich diese versucht zu ordnen. Wobei ein streng chronologisches Aneinanderreihen der Lebensgeschichten nicht sinnvoll war“. Die Autorin malt selbst gerne und stellte zuletzt in der Fähre in Bad Saulgau in einer Gruppenausstellung aus. Gudrun Vogel gestand: „Es hat genervt Sorgers Leben in Form zu bringen“. Es ist ein Widerspruch ein Leben in Kategorien einzuteilen. „‚In Form zu bringen‘ sei allerdings wichtig um ein Buch zu gliedern“, so Vogel, die sich in die Regeln der Buchschreibkunst einarbeitete.
Sie holte sich Rat bei anderen bekannten Autoren, bei Lektoren und es gab viele Unterstützer. Ein Verlag und Sponsoren für das Buch mussten gefunden werden. Weiterhin braucht jedes Buch Fotos und da konnte Gudrun Vogel den jungen Fotografen Alwin Maigler engagieren. Vogel betont: Es ist bewusst keine typische Künstlerbiografie geworden“.

Übrigens zur Einordnung von Gerda Sorgers Kunst in eine Kunststilrichtung:
Was in Deutschland oft als expressionistisch bezeichnet wird, war in Frankreich der Fauvismus. „Fauve“, das Wilde. Von daher hat die Autorin Vogel bei der künstlerischen Einordnung von Gerdas Kunst Fachmänner befragt und sie nennt es betont nüchtern: Post-Fauvismus. Und „Wild“ passt schon hin und wieder auf die humorvolle und lebensfreudige Gerda.

Das Buch kann unter der ISBN: 978-3-00-059234-8 im Buchhandel bestellt werden.

Text von Inge Veil-Köberle

Widmung Künstlerporträt von Gerda Sorger für Inge Veil-Köberle – Foto Alexander Radulescu

 

 

Ein Kommentar

  1. Danke Inge, für diesen netten und zutreffenden Artikel über Gerda!
    Bestimmt fandest Du im Buch noch einige Geschichten aus Gerdas unendlichen Erlebnissen, die auch für Dich neu waren.
    Danke auch für das nette Bild „Jugendzeit“ welches ich noch nicht kannte…

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