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Wendelinusritt – von Gutenzell nach Niedernzell

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Prozessionsritt Wendelinusritt Gutenzell nach Niedernzell

Prozessionsritt Wendelinusritt Gutenzell nach Niedernzell

Jedes Jahr am Dritten Sonntag im September findet der Wendelinusritt von Gutenzell nach Niedernzell, Landkreis Biberach statt. 500 Reiterinnen und Reiter nehmen mit ihren Pferden an dem Prozessionsritt in Oberschwaben teil. Von Grundschulalter bis ins hohe Greisenalter, es sind alle Generationen vertreten und auch alle Pferderassen. Es ist ein Aufwand für die 28 Gruppen, die aus ganz Oberschwaben anreisen. Tags zuvor werden die Pferde gewaschen, gestriegelt, die Mähne in Form geschnitten und die seltenen und wertvollen Zaumzeuge vorbereitet und vor dem Start angelegt. Jede Blutreitergruppe hat ihre eigenen Schabracken mit dem jeweiligen Wappen und dem Gruppennamen, meist der Ort draufgestickt. Schabracken sind gefütterte, gesteppte Baumwoll oder Filzunterlagen unter dem Sattel, damit das Pferd keine Druckstellen vom Ledersattel bekommt. Ebenfalls tragen die Reiterinnen und Reiter Schärpen, das sind Bänder meist zweifarbig. Sie symbolisieren die Zusammengehörigkeit der Gruppe. Wenn Regen angekündigt wird, tragen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer noch Regenmantel, zum Schutz der Ledersättel und der Kleidung. Zudem gibt es Standarten-Träger, es ist die reichbestickten Fahnen der Blutreitergruppe, die zig Jahre alt sein kann. Da diese ebenfalls sehr wertvoll sein kann, werden diese bei möglichem Regen in eine Hülle gepackt. Innerhalb des Ortes, während des Zuges spielen Musikkapellen zwischen den Reitergruppen. Sobald die Reiter im Gelände sind wird gebetet und gesungen. Damit hier das Mitsingen einheitlich klappt spricht und singt der Pfarrer in ein Mikrofon. Somit kann vom Gruppenführer vorne bis zum letzten Gruppenmitglied gleichzeitig mitgesungen werden. Übrigens in jeder Gruppe reitet ein Pfarrer mit. Auch das muss organisiert sein, dass jeder  Pfarrer ein zuverlässiges Pferd zum Mitreiten bekommt. In den seltensten Fällen sind die Pfarrer trainierte Reiter, wobei es in Oberschwaben Tradition ist, dass der Pfarrer keine Scheu vor Pferden hat. In Niedernzell findet ein Gottesdienst statt, der ebenfalls über Mikrofon übertragen wird, da die Reiterinnen und Reiter meist bei den Pferden innerhalb des Ortes bleiben. Die zahlreichen Besucher und Fußpilgerer nehmen meist stehend am Gottesdienst teil. 2014 fiel ein Platzregen kurz vor dem Ende des Gottesdienstes. Am Ende reiten die Reiter wieder zurück nach Gutenzell zu ihren Aufstellungsplätzen. Auch das ist Organisation. Jeder Gruppe braucht ein Gelände, bei dem die Autos plus Pferdeanhänger geparkt werden können. 500 Pferde bedeutet mindestens 200 Pferdeanhänger plus Wagen. Die Gutenzeller und die Nachbargemeinden haben natürlichlich die Möglichkeit direkt aus dem Stall zum Prozessionritt zu starten.

Der Prozessionsritt, die Freude der Kinder, die vielen Reiterinnen und Reiter, Pfarrer und auch die Pferde, die an diesem Ritt teilnehmen, beeindruckt. Es ist eine Besonderheit in Oberschwaben, dass sich diese Tradition ungebrochen weitergeführt wird. Glauben und Religionszugehörigkeit während eines gemeinsamen Ausrittes zu präsentieren. Wer glaubt, dass nur katholische Reiterinnen und Reiter teilnehmen, irrt. Es ist ein Bekenntnis zum Glauben. Ein indischer katholischer Pfarrer ritt zum ersten Mal mit. Er kennt die Prozessionsritte aus Südindien. Nur dort sind es Elefanten. Und die zahlreichen Zuschauerinnen und Zuschauer am Wegesrand. Trotz Oktoberfestumzug in München, auch zwei Münchnerinnen im festlichen Dirndl reisten für den Wendelinusritt am Morgen in den kleinen Ort Gutenzell nach Oberschwaben an.

Ein Bildereindruck der Prozessionsreiterinnen und -reiter von verschiedenen Orten. Fotos Inge Veil-Köberle, Musik von David Löhstana.

http://youtu.be/8q3Mdg6wYbA

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