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Gewinner der 40. Biberacher Filmfestspiele

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Wieder über 60 Filme sind auf dem Biberacher Filmfest in fünf Tagen gezeigt worden. Sehr gute Filme waren dabei. Für die Juroren keine einfache Entscheidung. Zum Jubiläum wurden weitere Preiskategorien vergeben.

Und jeder, der auf den Biberacher Filmfestspielen war, hat sicherlich seinen Lieblingsfilm im Herzen mit nach Hause genommen. Nun bleibt es abzuwarten, wann dieser Film im Kino, Fernsehen oder im Internet wiedergesehen werden kann.

Den Ehrenbiber 2018 erhält der international bedeutende Filmregisseur Werner Herzog. Herzog war der erste Regisseur, den Intendant Adrian Kutter zu einem Premieren-Filmdiskussions-Abend am 4. Dezember 1975 nach Biberach eingeladen hatte. Werner Herzog ist einer der maßgeblichen Vorreiter der Idee der Biberacher Filmfestspiele.

Nachfolgende Filmpreise wurden dieses Jahr in Biberach vergeben:

Publikums-Biber

Der Publikums-Biber dotiert mit 2000 Euro wurde für den Film „Raus“ von Philipp Hirsch vergeben.

Filminhalt aus dem Programm:
Großstadt. Ein protziger Luxuswagen brennt. Der junge Glocke hat Scheiße gebaut und muss weg. Er schließt sich einer Gruppe von Gleichaltrigen an, die sich im Internet verabredet haben, in die Natur zu ziehen. Sie folgen dem Aufruf von Friedrich, einem Aussteiger, der in den Bergen lebt und in der Rückbesinnung zur Natur den Weg in die Zukunft sieht. Auf dem Weg erleben die Ausreißer Tage der Freiheit und des Glücks. Doch dann findet Glocke einen Hinweis, dass mit Friedrichs Aufruf etwas nicht stimmt.

Jury: Simone Hildenbrand, Paolo Percoco, Michael Rumpel, Heiko Sigg, Martina Weresch

Auszug aus der Begründung der Juroren:
(Simone Hildenbrand, Paolo Percoco, Michael Rumpel, Heiko Sigg, Martina Weresch)
„Von der urbanen Vitalität führt er uns in eine idyllische Realität. Jugendliche auf der Suche nach Identität und Gemeinschaft fangen noch einmal ganz von vorne an und brechen aus der Zivilisation aus.

 

Schüler-Biber

Der Schüler-Biber, dotiert mit 3.000 Euro wurde an den Film „Sarah spielt einen Werwolf“ unter der Regie von Katharina Wyss aus der Schweiz vergeben.

Filminhalt aus dem Programm:
Die 17-jährige Sarah gibt Körper und Seele, wenn sie auf der Theaterbühne steht. Etwas an ihr lässt die Zeit innehalten, wenn sie sich verwandelt. Doch was steckt hinter ihrer radikalen Präsenz? Sie versucht, ein düsteres Geheimnis zur Sprache zu bringen. Die Suche nach einem Freund, dem sie sich anvertrauen kann. Doch je stärker Sarah diesen Wunsch äußert, desto mehr verärgert sie die Menschen, die sich ihr nähern möchten. Ein paar Tage im Leben eines jungen Mädchens, das sich in ihrem ungestümen Willen, der Einsamkeit zu entfliehen, von der Welt entfremdet.

Jury: Hannah Hoffmann, Alicia Link, Samuel Riederer, Luise Schmieg, Felicia Sigg

Auszug aus der Begründung: „Getragen wurde ihre Entwicklung durch die Vielschichtigkeit des Drehbuchs, welches aber stets die Ernsthaftigkeit der Suche nach der eigenen Identität behalten hat. Das Ende des Films spiegelt konsequent die Entwicklung der Hauptperson wieder und hat bei uns einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Trailer (frz, en)


Bestes Drehbuch

Der Preis für das Beste Drehbuch ging an „Zerschlag mein Herz“.
Der Preis ist mit 1.000 Euro dotiert.

Filminhalt:
Der lebensfrohe, verträumte 17-jährige Romajunge Pepe lebt zusammen mit seinem unberechenbaren Onkel Rocky in einem baufälligen Haus am Rande Wiens. Um Geld für seine Familie zu verdienen, geht Pepe zusammen mit anderen jeden Tag betteln, oder arbeiten, wie er es selbst nennen würde. Als eines Tages die 16-jährige Marcela neu aus der Slowakei dazu kommt, ist es für die beiden Liebe auf den ersten Blick. Gemeinsam lässt sich das harte Außenseiterleben leichter ertragen…

Jury: Sabine Bachthaler, Robert Buchschwenter, Peter Zenk

Auszug aus der Juroren-Begründung:
„Zerschlag mein Herz“ von Alexandra Makarova, erfüllt all diese Kriterien und hat uns darüber hinaus mitten ins Herz getroffen. Die Geschichte über die Liebe zweier junger Roma bringt uns die Lebenswelt einer Kultur nahe, die wir gewöhnlich als unangenehm empfinden. Makarova und ihr Co-Autor Sebastian Schmidl erzählen mit großer Sorgfalt, Sachverstand und Liebe ein Drama von archaischer Größe und vermittelt dabei das Gefühl, dass wir die Wünsche, Ängste und Sehnsüchte dieser Menschen teilen.

Trailer: (nicht in deutscher Sprache)

 

Kurzfilm-Biber

Der Preis, dotiert mit 2.000 Euro für den besten Kurzfilm geht an „Der Besuch“ von Christian Werner.

Filminhalt:
Klaus will seine ehrenamtliche Tätigkeit als Weihnachtsmann-Doppelgänger eigentlich aufgeben. Doch nachdem er für ein krankes Mädchen, das Weihnachten nicht mehr erleben wird, seine so oft gegebene Rolle noch einmal spielen muss, ändert sich seine Sichtweise radikal.

Jury: Wilfried Hippen, Jörn Rettig, Christian Schiesser

Juroren-Begründung: Die Geschichte, die in diesem Film erzählt wird, ist gespickt mit vielen Gelegenheiten, in ein sentimentales Rührstück abzurutschen. Aber es gelingt dem Filmemacher, diese Untiefen meisterhaft zu umschiffen. Der Protagonist ist ein desillusionierter Weihnachtsmanndarsteller, der von der Kommerzialisierung des Festes so abgestossen ist, dass er seinen weißen Bart und den roten Mantel endgültig an den Nagel hängen will. Es ist bewundernswert, wie massvoll und klug diese Tragikkomödie inszeniert wird, wie die Filmemacher auf ihre filmischen Mittel und die Intelligenz der Zuschauer vertrauen, und wie warmherzig und einfühlsam jede einzelne Szene gestaltet wurde. Dieser Kurzfilm bietet ganz grosses Gefühlskino. Der Kurzfilm-Biber geht an „Der Besuch“ von Christian Werner.

 

Preis für den Besten Mittellangen Spielfilm

Die mittellangen Spielfilme gehören zu den Kurzfilmen. Diese Kategorie wurde 2017 erstmals ins Festivalprogramm aufgenommen.
Der Preis ist mit 2.000 Euro dotiert. Gewonnen hat diesen Preis der Film PROXIMA-B von Stefan Bürkner.

Filminhalt:
Die Landung auf dem Exoplaneten Proxima-b steht bevor. Kapitänin Sternberg soll landen, ihre Begleitroboterin Phintia SX-3 soll an Bord des Mutterschiffs bleiben. Sternenberg schwärmt von ihrem Traum eine Pionierin zu sein. Die Begleitroboterin reagiert auf deren Wunsch. Sie will mehr als ihre Programmierung vorgesehen hat.

Jury: Wilfried Hippen, Jörn Rettig, Christian Schiesser

Auszug aus der Begründung:
„…  Erzählt wird von der entscheidenden Phase einer Weltraumodyssee und von einem Zweikampf zwischen menschlicher und künstlicher Intelligenz in einem Kammerspiel im All, das eine erstaunliche epische Grösse und philosophische Tiefe hat. Diese Wirkung konnte nur durch eine genau abgestimmte Teamarbeit der verschiedenen Gewerke erreicht werden, bei der jedes Detail genau durchdacht wurde. … Erstaunlich, dass die Macher dies mit dem kleinen Budget eines Studentenfilms erreichen konnten. …“

Trailer:
http://proxima-b-film.de/

 

Doku-Biber

Der Biber für den besten Dokumentarfilm, dotiert mit 3.000 Euro, geht an die Dokumentation „Scala Adieu – von Windeln verweht“ von Regisseur Douglas Wolfsperger.

Filminhalt:
Eine Stadt, ein Kino und ein Abschied wider Willen. In Konstanz eröffnete die fünfte städtische Filiale einer Drogeriemarktkette: noch mehr Windeln, noch mehr Zahnpasta für die Anwohner und die Konsumtouristen aus der benachbarten Schweiz. Bis 2016 waren die Räumlichkeiten der Filmkultur vorbehalten, denn hier residierte der „Scala Filmpalast”. Als Douglas Wolfsperger den magischen Ort der eigenen Kinosozialisation besucht, ist der Bürgerprotest gegen die drohende Schließung noch in vollem Gange. Er wird Zeuge des letzten Aufbäumens eines sterbenden Programmkinos, spricht mit Filmenthusiasten und Stadtverwaltern über Schwund und Expansion, Lustgewinn und Handelszuwächse, undurchsichtige Interessen- und günstige Geschäftslagen.

Jury: Klaus Becker, Micheael Chauvistre, Silvia Häselbarth

Begründung:
Das Rennen gemacht hat letztlich „Scala Adieu – von Windeln verweht von Douglas Wolfsperger“. Das Scala ist ein Arthouse Kino, in der Innenstadt von Konstanz, das einem Drogeriemarkt weichen soll. Uns hat überzeugt, wie aus einem vermeintlichen Heimatfilm ein Krimi wird, der ein überregionales Phänomen beschreibt und einen sich sozial gebenden Unternehmer enttarnt. Und das auf eine witzige und freche Art. Konstanz, das vom zweiten Weltkrieg verschont blieb, wird nun vom Kommerz zerstört. Ein Beispiel, das auch für viele Innenstädte Deutschlands gilt.

Trailer – (Homepage: https://www.douglas-wolfsperger.com/)

 

Debüt-Biber

Der Preis in Höhe von 3.000 Euro für den besten Debütfilm geht dieses Jahr an „Verlorene“ von Felix Hassenfratz

Filminhalt:
Maria ist frei, wenn sie Orgel spielt. Zu Hause fühlt die 18jährige sich verantwortlich. Für Hannah, ihre jüngere Schwester, die rebellierend den Ausbruch aus dem Dorf plant. Für Johann, ihren Vater. Nach dem frühen Tod der Mutter leben die beiden ungleichen Schwestern alleine mit ihm in der süddeutschen Provinz. Stoisch erfüllt Maria die Erwartungen der anderen: als Beschützerin, Schwester und vom Vater geliebte Tochter. Ein fragiles Gleichgewicht, das sie mit aller Kraft zu halten versucht.

Jury:  Dr. Wladimir Ignatovski, Lara Burkner, Kathi Wolf

Auszug aus der Begründung:
„… Regisseur Felix Hassenfratz inszeniert mit dem nötigen Feingefühl das wichtige, aktuelle und oft tabuisierte Thema des sexuellen Missbrauchs. Im vermeintlich sicheren Ort der Familie werden schreckliche Zustände aufgedeckt, ohne eine Schwarz-Weiß-Zeichnung entstehen zu lassen.  …“

 

Fernseh-Biber

Der Preis für den besten Fernsehfilm in Höhe von 3.000 Euro geht an „Bist du glücklich“ von Regisseur Max Zähle. Der Film war auch der Eröffnungsfilm.

Jury: Harry Bär, Martin Enlen, Rita Serra-Roll

Filminhalt:
Nach 13 Jahren haben sich Sonja und Marc voneinander getrennt. Die Liebe kam ihnen abhanden wie anderen Leuten ein Stock oder Hut. Um ihr Wochenendhaus zu verkaufen, begeben sich die beiden auf eine letzte gemeinsame Autofahrt. Unterwegs stellen sie fest, dass noch längst nicht alles gesagt ist und dass sie sich einander immer noch verbunden fühlen – trotz aller Verletzungen und Schuldzuweisungen.

Auszug aus der Begründung:
„…. Eine Frage, die am Anfang des Filmes anders beantwortet wird als am Ende! Dem Autoren gelingt es, eine immer wieder überraschende Geschichte so zu erzählen, dass Humor und Drama fein austariert werden. Das authentische Spiel des beeindruckenden Darstellerensembles nimmt den Zuschauer von Beginn an auf eine emotionale äußere, sowie innere Reise mit. …. Ein berührend, leiser Film, der in unserer lauten Zeit viel zu selten in dieser wahrhaftigen Form gewagt wird und der lange nachwirkt.“

 

Bester Spielfilm – Goldener Biber

Der Preis für den besten Film bei den 40. Biberacher Filmfestspielen geht an ONCE AGAIN von Regisseur Kanwal Sethi. Der Preis ist mit 8.000 Euro dotiert.

Jury: Nathalie Arnegger, Hans W. Geißendörfer, Andreas Hoppe, Gernot Roll, Margarete von Schwarzkopf

Filminhalt:
Tara ist eine verwitwete Mutter, die ein kleines Restaurant betreibt. Einer ihrer Kunden ist der beliebte Filmschauspieler Amar, sie liefert seine täglichen Mahlzeiten. Tara hat ihn nie gesehen außer auf der großen Leinwand. Ein zufälliges Telefongespräch wird zum Ritual. Sie verbringen Stunden am Telefon, haben aber nicht den Mut sich zu treffen. Sie sind sich bewusst, dass eine Beziehung keine Zukunft hat. Aus Angst, diese Grenze doch zu überschreiten, ziehen sie einen Schutzwall um sich herum.

Begründung:
Die vielen interessanten Filme haben es der Jury nicht leicht gemacht, den Besten auszuwählen. Wir haben uns für einen Film entschieden, der ein besonderes cineastisches Vergnügen ist. Die Handlung besitzt Leichtigkeit und ist unaufdringlich erzählt, und der Zuschauer hat Zeit, sich fast wie in einem Traum darin aufzulösen. Manche Unsicherheit seiner Protagonisten wird nur über Blicke erzählt, was dadurch Spielraum für die eigene Interpretation lässt und schließlich dazu führt, dass Männer ganze Szenen anders interpretieren als Frauen. Es geht um DIE große Sehnsucht, die uns allen gemeinsam ist: die Liebe. Und wo – wenn nicht im Kino – wird dies schöner zelebriert. Unser Gewinner ist: Once again.

Trailer (Original – nicht in deutscher Sprache)

 

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