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Ausflug nach Strassburg ins Elsass – Museum Tomi Ungerer

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Strasbourg ist eine Reise wert. Der Architekt Le Corbusier soll gesagt haben: Dem Auge wird es nicht langweilig in Strasbourg. Es sind romantische Fachwerkbauten, bürgerliche Villen, schlichte Einfamilienhäuser und moderne Architektur. Eine Bootsfahrt mit dem Batorama unterstützt diesen Blick auf die Vielfalt der Gebäudeansichten – auch mit Blick auf die Gebäude des Europäischen Parlamentes. Als Reisetermin muss nicht unbedingt der 3. Oktober ausgewählt werden. In Frankreich ist es kein Feiertag und die Altstadt wird von deutschen Shopping Touristen geflutet. Freiraum gab es im Museum Tomi Ungerer – ein Besuchstipp.

Tomi Ungerer ist ein Zeichner, Maler, Illustrator und Kinderbuchautor. Seine Kinderbücher erhielten internationale Preise. 2007 wurde das Museum eröffnet. Tomi Ungerer feiert im November 2016 seinen 85. Geburtstag.

Eingang Museum Tomi Ungerer

Museum Tomi Ungerer

Auch die Straßenbahn hält am Museum Tomi Ungerer und das Haus ist barrierefrei. Die Ausstellungen sind auf drei Stockwerken verteilt, die über einen Aufzug verbunden sind. Das Museum, die Villa Greiner liegt am Kanal und ist auch sehr gut zu Fuß zu erreichen. Dreimal im Jahr werden die Exponate gewechselt. Bis November 2016 liegt der Ausstellungsschwerpunkt auf: „Uncle Sam, Thomas Nast und Tomi Ungerer. Eine politische und soziale Satire Amerikas“. Danach wird im November zu Ehren des  85. Geburtstages von Tomi Ungerer die Ausstellung auf seinen Einfluss auf die grafischen Kunst ausgerichtet.

Doch zurück zur gesehenen Ausstellung. Jean-Thomas „Tomi“ Ungerer ist in Straßburg geboren, sein Vater war Uhrmechanikermeister. Ungerers Sammlung an Blechspielzeugen wurde dem Museum übergeben. Einige Exponate werden präsentiert. Ebenfalls sind einzelne Originalzeichnungen aus seinen Kinderbüchern zu sehen. Seine kritsche politische Schaffensphase erhält ebenfalls Raum.

Museum Tomi Ungerer

Museum Tomi Ungerer

Ungerer kam 1957 nach New York. Die sozialen Verhältnisse in den USA beschäftigten ihn. Seine Plakate, seine Zeichnungen in denen er Amerikas Rassenproblematik und den Krieg in Vietnam karikierte sind eindrücklich. Ungerer wird als zeichnerischer Nachfahre von Thomas Nast genannt. Nast (1840 bis 1902) gilt als Inbegriff der politischen und sozialen Satire in den USA, als Vater des politischen Cartoons.  Uncle Sam gilt als Werbefigur, Karikatur, als Träger von Eigenarten der Amerikaner, und wurde vom Senat der Vereinigten Staaten 1961 anerkannt. Auch das Urbild, dass wir heute von Santa Claus, dem pausbäckigen, gutmütigen kugelbäuchigen liebevollen alten Weihnachtsmann haben, stammt aus der Feder von Nast. Tomi Ungerer entwickelte zum Thema Weihnachtsmann allerdings eher eine böse Figur, um so Kritik an der bürgerlichen amerikanischen Gesellschaft zu visualisieren. Ungerer entwickelte die Karikatur Uncle Sam in seinen Arbeiten weiter.

In der Leseecke konnte in Ungerers Kinderbücher gelesen werden.  So hat er ein Buch deutscher Lieder illustriert. Lieder, die mittlerweile in Vergessenheit geraten sind und auch im Elsass gesungen wurden. Das Elsass hat eine sehr wechselvolle Geschichte. Die zwanghafte und schmerzhafte Germanisierung der Nazis hatte Ungerer als Kind miterlebt. Tod und Gewalt, das Kriegsgeschehen beschäftigten ihn in seinen Arbeiten. So ist das Thema Tod im Untergeschoß in den unveröffentlichten Arbeiten „Rigor Mortis und andere Totentänze“ aufgegriffen. Ein auf das Wesentliche reduzierter makaberer satirischer Zeichenstil.

Zurück zu der Kinderbuchecke. Übrigens hatte er auch das Buch HEIDI illustriert. Seine Kinderbücher wie DIE DREI RÄUBER sind bekannt. Doch auch OTTO, die Biographie eines Teddybären stammt aus seiner Feder.

Einige dieser Kinderbücher sah ich zum ersten Mal und las sie. Der Mondmann wurde auch als „Mondmännle“ in elsässischer Sprache veröffentlicht. Es hat Freude bereitet, diesen Dialekt zu lesen, da die verschiedenen sprachlichen Einflüsse zu erkennen waren. Parallel war der Text im Buch noch auf französischer und deutscher Sprache abgedruckt. Es sind Kinderbücher, Mächenbücher für Erwachsene. Unter diesem Aspekt und mit Blick auf die Gesellschaftskritik, die in der Ausstellung zu erkennen war, liest sich das Kinderbuch mit ganz anderen Augen. Gerne hätte ich das unvoreingenomme Feedback eines Kindes gehört.

Öffnungszeiten: Montag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr. Dienstags ist geschlossen.

Museum Tomi Ungerer – Internationales Zentrum für Illustration, Villa Greiner, 2 Avenue de la Marseillaise, 67076 Strasbourg Cedex (Tel. +33 (0)3 68 98 51 53)

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