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#rp17 – Analoges Familientreffen um digitale Gesellschaftsthemen

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Anfang Mai startet die re:publica in Berlin. Ich ertappe mich immer noch dabei gedanklich in Berlin zu sein. Drei Tage, bei der ich mich mit Menschen treffe, die ich fast nur online sehe. Themen und Vorträge, die von dem „Digitalen“ in unserer Gesellschaft handeln. Sich freuen und gemeinsam traurig sein über Nachrichten und Enwicklungen. Diskutieren über das Gehörte und Gesehene auf den Vorträgen, den Podiumsdiskussionen, den Workshops. Wie verändert die digitale Welt unser Leben, was ist gut, was ist weniger gut. Selbst der Austausch, welche der Vorträge noch unbedingt angehört werden muss ist Gesprächsthema.

Die re:publica auch #rp17 ist Europas größte Digitalkonferenz. Es geht um den Einfluss der Digitalisierung in unser Leben. „Was passiert mit uns“.

Dieses Jahr stand die Konferenz unter dem Motto „LoveOutLout“. Hasskommentare, Trolle und Socialbots haben sich mit einer Selbstverständlichkeit im digitalen Leben breit gemacht. Es kostet Energie und Kraft, diese zu erkennen und damit umzugehen, darauf zu reagieren oder eben nicht. Auch ein wichtigtes Thema: Fakenews – wie können sie erkannt, eingedämmt und richtig gestellt werden.

 

 

Vivien Pein hat es in dem Plädoyer mit weiteren drei Podiumsmitgliedern zur Sprache gebracht. Wie gehen die Community Manager, die sich täglich mit Kommentaren auseinandersetzen damit um, dass das Internet ein guter Ort bleiben soll. Welche Überlebensstrategien werden entwickelt, um dem Sumpf von Hasskommentaren und den Trolle zu begegnen. Es braucht Humor und auch ein gutes Team, das auch mit seinen Aufgaben rotieren kann. Eine „Wall of Happiness“ ist hilfreich. Damit ist eine Wand gemeint, auf der die positiven Kommentare ausgedruckt angeheftet werden. Denn es gibt sie, die vielen positiven Kommentare.
Titel der Session: Ein Plädoyer für anständiges Community Management

In einer weiteren Gesprächsrunde mit Eva-Maria Lemke, Dr. Claus Kleber, Ralf Paniczek wurden Fragen aus dem Publikum beanwortet und diskutiert. Thema: Fakes, Leaks und Desinformation – Verlässlicher Journalismus im Nachrichtensturm.

Ein Zitat von Claus Kleber (44.10 min): „In Deutschland ist es möglich einen Schulabschluss zu machen, ohne einmal mitgekriegt zu haben, wie die Massenmedien, die man täglich liest, funktionieren“ regt zum Nachdenken an, wenn vielerorts von Lügenpresse gesprochen wird. Auch Klebers Zitat wirkt: „Wir haben mit Social Media Möglichkeiten zu recherchieren, Dingen auf den Grund zu gehen, die einfach unvorstellbar waren noch vor 10 Jahren, noch vor 5 Jahren. Es ist eine glänzende Zeit um Journalist zu sein. Doch es hat einen Haken“. In den letzten 15 Minuten sind meiner Meinung nach wichtige Fragen angesprochen worden. Übrigens die Kommentare und Bewertungen unter dem Beitrag auf Youtube zeigen, wie wichtig es ist, dass diese Diskussion hochaktuell ist.

Charmant wie Kleber mich dazu brachte ein Selfie zu machen. Er sagte: „Wenn Sie kein Selfie machen, dann gibt es kein Bild mit mir“. Ich hatte schon jemanden gefunden, der von uns beiden ein Bild mit dem Handy fotografiert hätte. Doch es war ihm ernst. Dabei mag ich keine Selfies. Ich verweigere mich normalerweise. Doch weil es schnell gehen musste, warf ich meine Prinzipien über Bord. Schon verrückt. Ich mag das Fotografieren mit Kamera oder Smartphone sehr – doch Selfies, geht gar nicht, mag ich nicht. Doch Kleber wollte es wissen. Wie konnte er es wissen? Daher – weil ein Dutzend von Menschen mit Mikro und Kamera schon auf ihn warteten, gab es ein schnelles Selfie in schwarzweiß. 😉

Tradition ist natürlich auf der #rp17 dem Mann mit dem roten Irokesenhaarschnitt – genannt Sascha Lobo – zuzuhören. Natürlich könnte man den Vortrag auch „nachhören“, doch in seinem Fall, ziemlich an seiner linken Seite in der Nähe sitzend, hatte ich das Gefühl sein Herz pochen zu sehen. Aus seinem Blickfeld sieht er tausende von Menschen vor sich. Und es sei verraten – er ist aufgeregt auch als Vollprofi. Link zu seinem Vortrag.
Ebenfalls ein Klassiker ist Prof. Dr. Gunter Dueck mit einem Vortrag: Flachsinn – über gute und schlechte Aufmerksamkeit.  Auch seine Vorträge genießen höchste Zuhörerdichte. Und wenige Tage nach der #rp17 schon tausenfach auf Youtube nachgehört – hier der Link Flachsinn.
Familiärer war danach mit Dueck und in überschaubarer Gruppe das #tasteup_de mit einem Whisky-Versucherle. Wir haben angestossen mit dem Satz „The same procedure like last year“.

Ja – es ist diese Unkompliziertheit, die einem auf der re:publica auf Schritt und Tritt begegnet, trotz 8000 Teilnehmern. Hierarchielos und respektvoll ist das Miteinander, fast immer. Ob Promi, Journalist, Autor, Blogger, Medienexperte, Gründer, Student – jeder spricht mit jedem oder hat die Möglichkeit dazu.

Beim Mittagessen sitzt am Nachbartisch Carolin Emcke, die aktuelle Friedensbuchpreisträgerin. In ihrem Vortrag reflektierte sie ihre Sicht auf das re:publica-Thema „LoveOutLoud“. Zitat: „Wer gedemüdigt und verletzt wird, wer verachtet und angegriffen wird, soll sich nicht selbst wehren müssen. Es braucht andere, die einstehen für die Würde jeder einzelner Person“, sagte sie. Weiter … „Diejenigen mit Arbeit müssen Rechte und Umverteilung einklagen für diejenigen ohne Arbeit“, so geht es weiter in ihrer Rede. Ein intellektueller Vortrag über das respektvolle Miteinander.

Thema Arbeit 4.0. Die Arbeitsministerin Andrea Nahles gab ihr Statement, warum für sie ein Bedingungsloses Grundeinkommen keine Lösung ist. Wenn man bedenkt, dass viele Journalisten, die ihren Job ernst nehmen, nicht mehr ihren Lebensunterhalt dafür verdienen können, steht Nahles Sicht zum Widerspruch zu den vorgenannten  Zitaten von Emcke und Kleber. Link zum Nahles-Vortrag:

Auch ein bemerkenswertes Phänomen. Im Jahre 2012 war die re:publica noch eher belächelt von den Politikern. Steffen Seibert, Regierungssprecher war der Erste, der  Social Media wichtig fand und gerne Twitter nutzt. Im Jahr 2017 standen nun drei prominente Bundesminister auf der Bühne: Andrea Nahles, Bundesministerin für Arbeit und Soziales, Thomas de Maizière, Bundesminister des Innern, Brigitte Zypries, Bundesministerin für Wirtschaft und Energie. Übrigens die Vorträge, die aufgezeichnet und veröffentlich sind, sind auf dem Youtubekanal re:publica zu finden.

Bei über 500 Vorträgen in den drei Tagen kann nicht alles vor Ort gehört werden. Es ist sogar Utopie, diese alle im Lauf des Jahres auf Youtube nachzuhören. Trotzdem noch zwei Empfehlungen:

Vortrag: „Wir hab’n Polizei! – Chancen & Herausforderungen“ zum Link.
Es wird sehr gut erklärt, warum die Polizei, seit sie Social Media aktiv ist, viel Positives erfahren hat und diese Arbeit motivierend für die Polizeitarbeit ist.

Einer meiner Vorträge, die ich nocheinmal anhören werde stammt von Elisabeth Wehling: Die Macht der Sprachbilder – Politisches Framing ….
Da ist sehr viel Inhalt drin.

Basteln geht auch auf der #rp17 – Gut war im Makerspace einen Feinstaubsenor zusammen bauen zu können. Fantastisch wie diese Idee nun weltweit Mitmacher findet.
Um was geht es bei diesem weltweiten Projekt, das in Stuttgart begann: Interview mit Frank Riedel

Ich dachte ernsthaft darüber nach nicht mehr auf die re:publica zu gehen. Die Themen sind wichtig und beeinflussen das Leben. Auf dem Land werden jedoch diese Entwicklungen mit Abstand gesehen. Mein Besuch hat mir gut getan. Die re:publica ist für mich Zeichen eines positiven Nach-Vorne-Denkens. Neugierig auf das Neue zu schauen, was uns die digitale Zukunft bringt. Aufmerksam zu bleiben: „Was macht die Digitalisierung mit uns, mit mir.“ Eine Konferenz, die gesellschaftlich und politisch relevant ist – die Digitalisierung ist mittlerweile in allen Lebensbereichen angekommen. Re:publica-Gründer Andreas Gebhard sagte in einem Interview (Zitat aus DER Tagesspiegel): „Es ist die Konferenz der Fortschrittsfreunde. Aber auch derer, die vor der Digitalisierung Angst haben“. Die Änderungen sind rasant in vielen Bereichen wie Politik, Kultur, Bildung, Mobilität. So schnell, dass es einem schwindelig werden kann. Trotzdem. Für mich eine wichtie Konferenz, eine besondere Art von Familienfest.

 

 

 

 

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