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42 KünstlerInnen aus der Region Oberschwaben präsentieren Kunst

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Kunst gefällig?  42 Mitglieder der Regionalgruppe Bodensee-Oberschwaben,  im Berufsverband des Verbandes Bildender Künstler und Künstlerinnen in Württemberg (VBKW), zeigen während einer gemeinschaftlichen Ausstellung ihre Werke. Sehensort der Kunst ist im Roten Haus in Meersburg, am Schlossplatz gegenüber dem Neuen Schloss.

Gemeinschaftsausstellungen zeigen wie vielfältig Künstler und Künstlerinnen arbeiten. Diese Ausstellung präsentiert bis 9. März  über drei Stockwerke 64 Werke und Positionen zur zeitgenössischen Kunst.

Kritik an Gemeinschaftsausstellungen rührt oft daher, dass nur ein bis zwei Werke pro KünstlerIn gezeigt werden und somit nicht repräsenativ für die verschiedenen Arbeiten des kreativ Schaffenden sind. Doch der Kunstinteressierte erfreut sich am Werk, merkt sich den Künstlernamen oder gar Beides.

Bronze Reiner Anwander - Foto oberschwaben-welt.de

Bronze-Skulptur von Reiner Anwander – Foto oberschwaben-welt.de

Als Beispiel seien die beiden Bronzeskulpturen von Reiner Anwander namens Testa und Anima genannt. Eine Besucherin sagte: „Ach, das ist von Reiner Anwander. Er probiert immer wieder was Neues aus“. Bekannt ist er als Bildhauer für seine Holzskulpturen. Allerdings auch für Malerei. In Meersburg hat er erstmals Bronzefiguren ausgestellt.
Die beiden Skulpturen wirken fast unscheinbar auf ihrem Podest. Aber nur fast. Je länger man auf die Figuren schaut, desto lebendiger wirkt die bronzene Oberfläche. Auf dem nebenstehenden Foto ist das Farbenspiel der Bronzefiguren nicht deutlich zu erkennen. Es ist faszinierend, wie die roten Farbflächen auf dem grauen Grundton pulsierend wirken.  Dabei ist grau eben nicht grau. Die Figuren haben Öffnungen und Flächen und wirken angeregt harmonisch.

Bildausschnitt Malerei von Nicole Bold - Foto oberschwaben-welt.de

Bildausschnitt Malerei von Nicole Bold – Foto oberschwaben-welt.de

Als Beispiel, dass ein Werk in einer Ausstellung nicht die Ausdrucksvielfalt eines Künstlers präsentiert, sei exemplarisch Nicole Bold genannt. Im Treppenaufgang hängt ein Bild, gemalt von Nicole Bold. Ihre Malerei ist gekennzeichnet aus mehrschichtigen Farbaufträgen, die gewollt transparent oder farbintensiv leuchten. Ihre Werke können zart schwarzweiß wie auch leuchtend in kräftigen Grüntönen sein. Der nebenstehende Detailausschnitt lässt ahnen, wie dieses Bild an der eher lichteinfallschwachen Stelle energiegeladen die Blicke auf sich zieht.

Während der Eröffnung passierte in einem Raum ein gefürchtetes Schreckerlebnis. Ein Keramikobjekt von Christiane Lehmann stürzte von seinem Podest. Die rosighautfarbenen anmutenden Eierschachteln waren ineinander verzahnt und aufgestapelt. Doch dann rutschte der obere Part auf den Boden mit einem ohrenbetäubenden Lärm. Das war so nicht gewollt. Viele kleine Scherben lagen auf dem Boden. Eine Besucherin stellte deshalb erstaunt fest: „Ich dachte es sind bearbeitete veredelte Eierschachteln, dass sie so zerbrechlich und aus Keramik sind habe ich nun gehört“. Sie hatte die Arbeit nur flüchtig angeschaut. Im Gespräch zwischen Besuchern stellte man fest, dass es eigentlich passend ist, die Scherben liegen zu lassen. Dieser Umkehrschluss, dass die meist wenig beachtete schutzliefernde Eierschachtel zerbrechlich ist, führte doch zum Nachdenken. Kurzum, nach dem Schreck gab es zahlreiche Interpretationen. „Lassen sie es genau so liegen“, sagte ein Besucher. Diese ungewollte Installation hat seine Wirkung.

In einem anderen Raum hing ein Objekt von Angelika Brackrock an der Wand. Aus der Ferne wirkte es wie eine Keramikarbeit, doch bei genauem Hinsehen ist das Behältnis aus Vlies. Ebenso wirkte die Textilarbeit von Brigitte Fuchs faszinierend. Statt Leinwand war es ein über hundert Jahre alter fein gewobener Leinenstoff, der ehemals als Getreidesack diente. Brigitte Fuchs zeichnete mit Faden behutsam um sowie entlang der reparierten Stellen und den angebrachten Flicken. Sie folgte den Weblinien des alten Stoffes,  um dann etwas Neues hinzuzufügen. Der Titel lautete „Haus mit vielen Wohnungen“ und lässt weitere Interpretationen zu.

Auch die Wandreliefs aus Carraramarmor sowie persischer Travertin von Frank Teufel wirken fein und zerbrechlich. Daneben eine Malerei, welche so plastisch wirkt wie eine organische Oberfläche oder eine Marmorierung, die von der Erde natürlich geschaffen wurde.

64 Werke sind auf der Preisliste notiert. 42 Künstlerinnen  und Künstler sind an der Ausstellung beteiligt. Jeder Kunstliebhaber wird ein Werk finden, dass er entweder kauft oder in Gedanken mit seiner Interpretation, mit seinem Inspirationsquell nach Hause nimmt. Eine Gemeinschaftsausstellung zeigt wie vielfältig Kunst sein kann. Kunst muss heutzutage nicht mehr gefällig sein, sondern die Frage ist – welche Kunst gefällt Ihnen?

Verband Bildender Künstler und Künstlerinnen Württemberg
Verband Bildender Künstler und Künstlerinnen Württemberg, Region Bodensee-Oberschwaben

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