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Flucht in der Kunst

Eine sehr berührende Ausstellung von Werken aus in Oberschwaben lebenden Künstlern ist bis Karfreitag in der evangelischen Versöhnungskirche in Ummendorf bei Biberach an der Riß zu sehen.

Es ist beklemmend, wieviele Stimmen lauter werden und mit Gewalt drohen, um die Flüchtlinge zu stoppen. Es macht traurig, dass nur noch von Krisen, Flüchtlingsströmen gesprochen wird und dabei vergessen wird, dass es immer noch Menschen sind, die nicht aus Langeweile alles zurückgelassen haben. Mag sein, dass sich auch kriminelle Mitläufer darunter befinden. Mehr Sorge bereiten mir die kriminellen Aktionen von langjährigen Einwohnern in Deutschland.

Treffpunkte und Begegnungsorte für Einheimische und diesen Menschen ermöglichen ein Aufeinander zu gehen. Es ist wie im wirklichen Leben – es gibt fremde Menschen zu denen findet man leichter Zugang und auch welche, mit denen man kein Gespräch findet. Und dies ist bekanntlich unabhängig jeden Alters, Hautfarbe, Nation und Sprache. Sprache ist wichtig. Doch jeder, der eine Fremdsprache gelernt hat, weiß … bei dem einen geht es leichter und bei dem anderen schwerer.

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Brunhilde Raiser bei der Eröffnung der Kunstausstellung Flucht

Die Ausstellung wurde von Brunhilde Raiser, Geschäftsführerin Evangelisches Bildungswerk Oberschwaben, vor Monaten kuratiert, vorbereitet. Da waren Flüchtlinge schon in Europa. Mittlerweile ist es eine Zerreißprobe für Europa, weil Länder ihre Grenzen mit hohen Zäunen abgrenzen. Es geht nicht mehr um das einzelne Schicksal, es geht um Grenzen.

Claudio Hils zeigt drei Fotos, Fotocollagen. Der Titel lautet „Red Land – Blue Land“. Diese Begriffe stammen aus der Manöversprache, wenn ein Gebiet in Feindes- und Freundesland aufgeteilt wird. In einem weiteren Bild sind Fenster sichtbar, dahinter werden Schablonen aufgestellt. Eine Frau mit Kind, daneben ein Mann mit Waffe, der die Frau mit Kind bedroht. Diese Szene stammt von einem Schieß-Übungsplatz, in dem trainiert werden soll, die Frau und das Kind nicht zu treffen. Doch was passiert in der Realität?

Jürgen Knubben symbolisiert mit seiner Skulptur, einem Stuhl, die Schwierigkeit ankommen zu dürfen und Platz nehmen zu dürfen. „Begegnungen“ heißen die Zeichnungen von Ulla Mross. Immer wieder fällt mir der Spruch ein, den ich einmal hörte: „Ich will gar keinen Kontakt mit so einem Flüchtling, nachher mag ich den noch“. Dabei wäre das ja positiv. Diese Verweigerungshaltung ist schon seltsam. Andererseits wird auch sichtbar, wie Menschen sich selbst „ausgrenzen“.

Flucht Versöhnungskirche 01Der Syrer Walleed Nizami zeigt drei dunkle Bilder, die noch wenige Lichtspuren haben. Eine symbolisierte Faust, ein Knoten, Szenen von Gewalt und Missbrauch. Die Kuratorin hat seine Werke vor der Flucht im Internet gesehen, es waren quitschbunte Bilder, voller Lebensfreude. Sie fragt sich, ob er jemals wieder diese Farben verwenden wird. Diese Flucht hat seine Unbekümmertheit und Lebensfreude verschwinden lassen. Sehr bunt wirken die Reifen von Daniel Bräg. Eigentlich sind es Rettungsringe, Schwimmhilfen – doch so wie sie stehen, mit Blumen bemalt sind, mit Band verziert, sind es doch eher Trauerkränze geworden. Eine bootsähnliche sich spiegelnde Skulptur von Jörg Bach heißt Seelenverkäufer. Das Schiff, die Schlepper, denen sich die Flüchtlinge anvertrauen, um übers Meer zu kommen. Sie vertrauen und werden oft im Meer zurückgelassen. Und während man sich diese glänzende Skulptur anschaut, erkennt man sein Spiegelbild in dem Werk.

Die Pfarrerin Andrea Luiking ist gespannt auf die Diskussionen des Objektes „Himmelsleiter“ von Reinhard Sigle, welches im Altarraum an das Kreuz angelehnt wurde. Diese Art von Leiter bauen sich die Flüchtlinge aus gefundenen Holzstücken, Treibholz vom Meer. Sie fixieren die Sprossen mit Plastikbändern, um über die errichteten Zäune zu klettern. Raiser erzählte dazu, dass ein Journalist sie ansprach und sagte, dass diese Leiter der Flüchtlinge grundsätzlich so aussieht – nur – die Sprossen und Holzstücke sind weniger mit Plastik verbunden, sondern mit blutigen Stofffetzen. Es sind Stacheldrahtzäune, diese verletzen auf jeden Fall die Menschen, die darüber klettern. Dieses Objekt „Himmelsleiter“ und auch weitere der Werke, wird Pfarrerin Luiking in ihren nächsten Gottesdiensten zum Thema nehmen.

Flucht-VersöhnungskircheEs sind noch weitere sehr berührende Werke zu sehen und zu hören ist der Audiobeitrag „Facebook-Chat“ in der Versöhnungskirche. Die Werke sind Gedankenimpulse. Sie werden im Gottesdienst aufgegriffen. Es ist eine andere Art von  Gottesdienst, der Raum gibt sich um seinen ureigensten menschlichen persönlichen Auftrag Gedanken zu machen.

Jeder Flüchtling hat seine eigene Geschichte, dass darf bei alledem nicht vergessen werden. Pauschalierungen helfen etwas zu vereinfachen – doch jeder Nicht-Flüchtlinge will auch nicht pauschaliert und so gedemütigt werden, wie es diese Menschen, die auf der Flucht sind, erfahren haben.

Öffnungszeiten: Sonntag von 11.30 bis 12.30 Uhr und nach Absprache mit Pfarrerin Luiking, 07351 21617 – Ort: Evangelische Versöhnungskirche Ummendorf

Weitere Infos unter Evangelisch in Biberach

Danach geht die Ausstellung, die nur in Teilen in Ummendorf gezeigt wird, in die Evangelische Bonhoeffer-Kirchengemeinde Friedrichshafen, Stauffenbergstr. 8, 88046 Friedrichshafen – vom Sonntag, 10. April bis Sonntag, 2. Mai 2016. Weitere Informationen unter Bonhoefferhaus FN

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